Ich habe vor einem halben Jahr mein Auto verkauft – seitdem habe ich ‘ne Menge mehr Geld im Portemonnaie und trotzdem kein Mobilitätsproblem.
Dann bin ich zu den Grünen gegangen. Da habe ich viele interessante Dinge erfahren und erlebt und viele interessante Menschen kennengelernt. Tendenz steigend.
Dann habe ich beschlossen, nicht mehr bei Lidl und Konsorten einzukaufen, wo ich ganz genau weiß, dass Arbeitsbedingungen und/oder Produkte und/oder Unternehmenseinstellung absolut nicht in Ordnung sind. Und habe sehr nette Einkaufserfahrungen in kleineren Läden und viele Schnäppchen bei ebay gemacht. Der Gemüsetürke ist auch unglaublich günstig und bespitzelt sich nicht selber, gehe ich mal von aus.
Dann habe ich ein zweites Patenkind bekommen. Und weiß jetzt, dass es jemandem in Mexico City viel mehr finanziell besser geht als mir schlechter. Von der nächsten Steuererklärung will ich hier mal gar nicht reden.
Dann war Weihnachten und ich wusste überhaupt nicht, was ich mir wünschen soll – denn ich habe ja alles, was ich brauche.
Dann habe ich Ökostrom bestellt und Energiesparlampen besorgt und mich gefreut, dass ich jetzt auch Atomausstieg selber mache. Und zwar, ohne mehr zu bezahlen.
Dann habe ich ein paar Bio-Lebensmittel gekauft. Und hatte plötzlich ein besseres Gefühl beim Essen, vor allem bei Dingen wie Hackfleisch, Schinkenwurst und Fertigsauce.
Dann habe ich ein paar Öko-Drogerie-Artikel gekauft. Und fühlte mich wohler beim Duschen und Cremen und Sprühen und Spülen.
Dann habe ich angefangen, die taz zu lesen, weil ich den Eindruck von zu viel wirtschaftlichem Sponsoring bei anderen Zeitungen hatte. Und bin auf dem Weg, mir endlich mal täglich Nachrichten zu Gemüte zu führen.
Dann habe ich angefangen, Menschen auf der Straße anzulächeln, was meistens eine schöne Sache ist und auch mich selber zum Nochmal-Lächeln bringt.
Vorgestern war Monatsende und das Geld, das ich noch übrig hatte, obwohl ich mir einfach so einen iPod-Shuffle gekauft habe (kurios, aber siehe Punkt 1), habe ich an Kid’s Corner in Ghana gespendet.
Vorhin habe ich das Greepeace-Magazin abonniert, nur 26,50 EUR für ein ganzes Jahr und noch mehr Anregungen frei Haus, was ich alles machen kann.
Äh… Gibt es eigentlich schon Untersuchungen über den Suchtfaktor des Versuchs ökologisch und ethisch korrekter Lebensweise?
Mal im Ernst, ich fühle mich prima, bin neugierig, was da noch kommt und habe auch noch ein gutes Gewissen dabei und das Gefühl, hier und da ein bisschen was zu erreichen. Das Geld ist auch nicht problematisch, das hat mich echt überrascht. Aber ich liege ganz offiziell unter dem deutschen Durchschnittseinkommen und muss absolut nicht strampeln.
Es gibt allerdings einen Nachteil, nur einen einzigen, aber den hatte ich gar nicht auf dem Zettel: Die Reaktionen von Familie, Freunden und Bekannten. Ich nerve manche ganz furchtbar und das ist traurig…
Hast Du das Buch “Fast nackt” von Leo Hickman gelesen? Der versucht ethisch korrekt zu leben mit Kind und Kegel. Die Umstellung fällt ihm und seiner Familie nicht ganz leicht, aber letztendlich ist er überzeugt, dass das der richtige Weg ist. Meine Leseempfehlung für Dich!
Danke, klingt interessant! Ich lese gerade “Öko – Al Gore, der neue Kühlschrank und ich” von Peter Unfried, da beschreibt er auch seine Wandlung zum neuen Öko. Scheint so ähnlich zu sein, von daher genau richtig! :)
Anderer Verein, gleiches Problem:
“Denn alle Konvertiten überziehen kräftig, egal, ob sie vom HSV zur PDS oder von der Leonberger Sparkasse zur Roten Armee Fraktion übertreten.”
Äh ja, das ist dann wohl so. Falls du allerdings die Grünen meinst, zu denen ich konvertiert bin, die sind ja nur ein Teil-Aspekt meiner “Verwandlung”. Sie bieten allerdings zugegebenermaßen einiges an Raum zum Ausleben des Ganzen ;)
wer sagt dir eigentlich das du vorher nicht genervt hast!? ;-)
Hach, ich hab dich auch lieb! ;)
hey jetzt nicht gemein werden, war doch nur eine Frage!!!!!
und außerdem hast du die vergessen die du nicht nervst sondern belustigst!