Ich hatte Rücken. Etwa vier Tage lang und eigentlich nur ein bisschen. Aber dann ist es, nachdem es fast wieder weg war, auf einmal ganz schlimm geworden. So “nachts vor Schmerzen aufwachen und nicht mehr schlafen können”-schlimm. Also musste ein Termin beim Orthopäden her. Den hab ich sogar schon am übernächsten Tag nachmittags bekommen, wasich zunächst für gut hielt, denn dann musste ich nicht mitten am Tag aus dem Büro weg, um dort stundenlang zu warten. Und weil ich weiß, dass man beim Orthopäden immer in Unterwäsche auf und ab gehen muss, habe ich mir vorsorglich extra unsexy und vielbedeckende Sportunterwäsche angezogen. Pah.
Allerdings kam ich mir trotzdem schrecklich vor. Der Mann war einfach nur seltsam, z.B. setzte er sich bei der Untersuchung hinter mich, so dass sein Gesicht quasi genau vor meinem Hintern hing und meinte dann “Treiben Sie viel Sport?”. Auch wenn ein Orthopäde diese Frage durchaus berechtigterweise stellen darf, klang sie für mich durch die Gesamtsituation irgendwie anzüglich. Als ich mich dann umdrehen sollte, guckte er fasziniert auf mein Bauchnabelpiercing, meinte “Darf ich mal?” und grabbelte daran rum. Interessant war auch die Frage, ob ich aktuell Schmerzen habe, denn das war das, was ich eingangs erklärt hatte. Naja, kann man ja mal überhören. Anamnese wird vermutlich überbewertet.
Auf die schmerzende Stelle hat er einmal draufgedrückt, aber dann wohl zielsicher einen Hexenschuss diagnostiziert. Dies habe ich allerdings nur auf Nachfrage erfahren, denn das einzige, was er nach der Untersuchung sagte, war (zur Arzthelferin) “Schnuschel 5 Infusionen Schnuschel”. Ob ich denn keine Spritze bekäme, wollte ich gerne wissen, denn bei meinem letzten Hexenschuss habe ich eine bekommen und danach war alles gut. “Infusionen” sagte er, “lassen sie sich vorne einen Termin geben”. – “Und heute? Letzte Nacht habe ich vor Schmerzen kaum geschlafen.” – “Heute ist zu spät. Lassen Sie sich Termine geben und lassen Sie sich das Rezept ausdrucken.” Später Termin war wohl doch nicht so gut.
Bei diesen fünf Terminen, die sich vom 04.- 22.08. erstrecken sollten, jeweils um 8:00 morgens, sollte ich Tramal Infusionen bekommen. Irgendwas klingelte bei Tramal leicht gruselig, das habe ich nämlich in meinem Hirn unter “Psychiatrie” abgespeichert.
"Tramadol [Handelsname Tramal] ist ein vollsyn- thetischer Arzneistoff aus der Gruppe der Opioide und wird zur Behandlung mäßig starker bis starker Schmerzen verwendet." (Wikipedia)
Klasse, Opioide! Kommt doch von Opium, oder? Ich will aber eigentlich keinen Drogentrip, sondern nur schmerzfrei werden und danach zur Arbeit. Mit dem Auto. Was nicht gut wäre, denn:
"Nebenwirkungen wie Schwitzen, Sedierung und Verwirrtheit können auftreten, ebenso wie Schläfrigkeit und verschwommene Sicht." (Wikipedia)
Weiteres Recherchieren hat dann noch ergeben, dass Tramadol wohl bald unter das Betäubungsmittelgesetz fallen soll. Auch komisch: Tramadol kann oral eingenommen werden, wieso muss ich fünf Mal zur Infusion kommen?
Jedenfalls habe ich das Rezept weggeworfen, die Termine abgesagt, mir rezeptfreie Voltaren-Tabletten gekauft, eine Wärmedecke in den Rücken gelegt und vorsichtige Lockerungsübungen gemacht. Müßig zu erwähnen, dass der Schmerz seit gestern weg ist. Und ich hätte noch drei Infusions-Termine vor mir.
Glückwunsch!
Ärzte sind wie Lehrer die letzte Gruppe von Menschen, denen wir reflexartig vertrauen, dass sie etwas von ihrem Job verstehen. Umso härter trifft einen dann die Erkenntnis, dass es doch nur Menschen sind, dass auch in diesen Gruppen diverse Scheuklappendenker und Mässig-Begabte herumspringen – eigentlich nicht überraschend, es gibt ja kein Naturgesetz, dass diese ausschliesslich in Politik und Wirtschaft unterkommen.
Doch man sollte nicht aus einem Erlebnis eine allgemeine Schlussfolgerung ziehen: Drogen und Medikamente unterscheiden sich meist nur in ihrer Dosierung, und oft hilft ein Medikament auch sehr gut gegen das diagnostizierte Übel. Hat man einen Arzt gefunden, dem man eine Diagnose zutraut und der nicht ALLES mit dem Rezeptblock zu lösen versucht, kann man auch auf Opiate zurückgreifen. In der auf der Packung angegebenen Dosierung wird es vermutlich eh nicht berauschend wirken.
Viel Glück bei der Suche nach einem neuen Arzt! Lass Dich bloss nicht in der Zwischenzeit von esoterischen Heilpraktikern und ihrem Voodoo einfangen!
War das eigentlich eine IGel? Da musst du immer aufpassen. Die sind zu 95% zum Wohl des Arztes.
Wenn du mal wirklich kurzfristig Hilfe brauchst kann ich auch immer Dr. med. Matthias Partl (Marktstraße 31 Rheydt) empfehlen.
Der ist immer sehr unkompliziert und nimmt sich für einen Allgemeinmediziner unglaublich viel Zeit.
http://www.sanego.de/Arzt/Nordrhein-Westfalen/4581-Moenchengladbach/Allgemeinmedizin/164693-Dr-med-Matthias-Partl/Bewertung-96734.html
^^ O_o Der ist aber als ziemlicher Chaot verschrien, kommt aber bei älteren Damen 80+ gut an ;-)
So ist das halt mit Arztbewertungen. Hilft der Arzt, wie bei mir, kann man sich nicht beschweren. Hilft er nicht ist er der größte Arsch.
Das Ganze ist halt mehr als die Summer seiner Teile!
Keine IGel. Glaube ich. Woran sehe ich das genau? Es war ein normales Rezept.
Irgendwie ist mir spontan diese Nummer von Volker Pispers eingefallen, als ich Deinen Beitrag gelesen habe: Ärztemangel und Honorarreform” – hiervon insbesondere das letzte Drittel…
Für Infusionen statt Tabletten fallen mir spontan zwei Gründe ein:
- Du bekommst das Medikament unter Aufsicht und kannst so die Tabletten nicht hinter’m Hauptbahnhof gegen vom LKW gefallene iPads tauschen
- Folgetermine kann man so schön abrechnen
Ich hatte vor vielen Jahren mal hartnäckige Rückenschmerzen. Verschrieben bekommen habe ich von meinem damaligen Orthopäden eine Wärmebehandlung, insgesamt zehn Besuche in seiner Praxis über einen Zeitraum von vier Monaten, so dass auch auf jeden Fall zwei Quartale abgedeckt waren. Eine Behandlung zu Hause mit einem Körnerkissen oder einer Infrarotlampe hätte denselben Nutzen gehabt und wäre auch noch billiger und bequemer gewesen.
Volker Pispers ist soooo klasse! Danke für den Link.
Und das mit den iPads hätte ich mir überlegen sollen ;)
Da bin ich ja bisher gut weggekommen. ;)
Hatte mir mal beim Sport den Latissimus gezerrt. War wirklich nicht schön! Arzt hat mich ausgiebig untersucht – allerdings hat er mich nicht befummelt – und mir dann ein paar Fango-Sessions mit Massage verschrieben. Das war der Hammer! :)
Ha… kann ich ein Lied von singen. Mit Rücken gehe ich nun nicht mehr zum Arzt. Aber hier in der Türkei haben die mir ein MRT gemacht, jetzt weiß ich wie das Gestell von drinnen aussieht und welche Bandscheibe sich ihrer Funktion entzieht. Nun schlucke ich alle paar Tage Muskoflex und alles wird weich und ich bin wieder agil.
Aber das Zeug einfach so wegschweißen….Kerstin
Ich dachte, ich könnte mich in Antalya auch mal von so einem Knochenbrecher durchkneten lassen ;)