Aisha can’t fly away

Aisha ist eine junge Krankenpflegerin aus dem Sudan, die in Cairo lebt. Sie kann dort zwar ihren Beruf ausüben und hat sogar eine eigene Wohnung, ist aber von einem selbstbestimmten Leben weit entfernt. Ihr Arbeitgeber zahlt wenig und willkürlich und Aisha muss sich den Wünschen der Patienten widerspruchslos beugen, bis hin zu sexuellen Übergriffen, weil ihr sonst die sofortige Entlassung bevorsteht. Das Viertel, in dem sie wohnt, wird genau wie ihre Wohnung von einer gewalttätigen Gang kontrolliert, dessen Anführer sie zu Gefälligkeiten nötigt, die sie und andere in Gefahr bringen.

Der Film beobachtet Aishas Leben in Cairo in ruhigen, großartig komponierten und teilweise geradezu hypnotischen Bildern: Das laute, staubige und überfüllte Cairo, der Kontrast zwischen ihrer eigenen Wohngegend, in der sie weder Schlaf noch Sicherheit findet und den hübschen, wohlausgestatteten Wohnungen einiger Patienten oder auch die beengte, prekäre Lebensrealität der vielen aus dem Sudan geflohenen Frauen. Nach einiger Zeit wird der Film um ein surreralistisches Element ergänzt, als Aisha immer wieder ein mächtiges Straußenweibchen erscheint, das sie in bestimmten Situationen leitet oder Vorahnungen entstehen lässt. Genau wie dieses mystische Wesen, findet sie sich nicht nur in einer für sie feindlichen Umgebung wieder, sondern kann auch trotz der „Flügel“, die sie eigentlich besitzt (z.B. Intellekt, Mut, medizinische Kenntnisse) nicht einfach davonfliegen.

Wegen der ikonischen Bilder und der immersiven Einblicke in eine mir völlig unbekannte Welt fand ich den Film äußerst sehenswert. Was aber auch bleibt, ist das Gefühl von Ohnmacht und Wut auf die Menschen, die die missliche Lage Anderer immer wieder hemmungslos ausnutzen, meist scheinbar auch ohne Konsequenzen. Auch durch diesen Aspekt ist Aisha can’t fly away ein wichtiger FIlm.

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