Alle Rassisten sind Arschlöcher. Überall.*

Die Initiative Pro NRW bzw. Pro Köln spricht auf ihrer Website von einem phänomenalen Erfolg und einer historischen Stunde. Genau wie bei der Anti-Atom-Demo in Münster liegt die Angabe der Teilnehmerzahl ca. doppelt so hoch wie bei Medien, die entgegengesetzt orientiert sind. Liegt wohl in der Natur der Sache. Leider war ich live nicht dabei, sondern habe nur ein bisschen Berichterstattung gesehen. Schade. Aber wie ich hier und da gelesen habe, hätten die Polizisten mich ja nichtmal mit einer Trillerpfeife zum Ort des Geschehens gelassen. Kuriose Sache. Die einen dürfen ihr rechtspopulistisches Gedankengut verkünden, die anderen werden davon abgehalten, vor Ort dagegen zu protestieren.

Wenn jemand eine Veranstaltung abhält, die von der Bevölkerung so verurteilt wird, dass man Ausschreitungen bei Protesten befürchten muss, ist man anscheinend gezwungen, die Protestierenden abzuhalten und die Besucher der Veranstaltung zu beschützen. Kommt mir auf den ersten Blick etwas absurd vor. Und leider sind die Proteste abseits ohne Gegner damit irgendwie zu einer leicht naiv anmutenden Gutmensch-Party geworden.

*Geniales Plakat, das ich im Fernsehen gesehen habe. Denn der ausgelutschte Spruch „Alle Menschen sind Ausländer. Fast überall.“ entlockt den Menschen wohl meist leider nur noch ein Gähnen.
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4 thoughts on “Alle Rassisten sind Arschlöcher. Überall.*”

  1. Was die Stoßrichtung der Polizei angeht, bin ich anderer Meinung. Es kann nicht der bestraft werden, über den sich die meisten aufregen, sondern der, der das akute problem auslöst. Selbst gegen Nazis gelten rechtsstaatliche Maßstäbe.
    So wie du es vorschlägst, funktioniert beispielsweise §166 StGB (Gotteslästerung) – wenn sich genug darüber aufregen, dass du sagst, es gibt keinen Gott, bist du schuld, wenn die mit Heugabeln und Fackeln auf dich losgehen und kommst in Gefängnis. Bei aller Ablehnung der Nazis, so geht das nicht. Denn hier beginnen wir, das Übel zu bekämpfen indem wir das, was wir so beschützen wollen, aushöhlen.

  2. Ja, nee, weiß ich doch. Deswegen „auf den ersten Blick“.

    Ich hab’s ja auch nicht mitbekommen, aber im Fernsehen kam es so rüber, als wäre das komplett abgeriegelt gewesen und wenn ich da hingefahren wäre, um denen meine Meinung zu sagen, hätte ich das auch gerne getan, anstatt von der Polizei ausgesperrt zu werden.

    Man könnte allerdings noch darüber streiten, wer denn genau „das akute Problem auslöst“.

  3. @shadaik: das ist aber nicht dein ernst, oder? zum einen wird freiheitsentzug beim §166 stgb nur angedroht bei beschimpfenden gotteslästerungen und nicht bei verleugnung eben dessen (das gesetz stammt übrigens aus dem jahre 1920, noch fragen?), zum anderen ist die anwendung von rechtsstaatlichen maßstäben gegenüber nazis ein widerspruch in sich, da diese aussage im umkehrschluß die nazis rechtsstaatlich legitimiert. nein, genau das ist die einstellung, die dazu führt, dass die npd nie verboten wird und die nazis auch weiterhin so pfleglich behandelt werden wie knaben, die bonbons aus dem supermarkt klauen. ich fasse es nicht.

  4. Ich bin nicht bereit, Ausnahmen im Rechtsstaat zu machen, nur um ein paar unliebsame Spinner nach dem Prinzip „Aus den Augen, aus dem Sinn“ pseudozubekämpfen – Ausländer verkloppen die auch, wenn sie nicht mehr als Partei auftreten, was ein verbot da also bringen soll, sollte man doch begründen, als Partei sind sie auch wesentlich leichter zu bekämpfen als als loser Verbund. Und wenn wir einmal mit dem Ausnahmen machen angefangen haben, laufen wir Gefahr, eine Hemmschwelle zu brechen – und irgendwann verbieten wir alles, was ausreichend vielen Leuten nicht gefällt (die Linkspartei zum Beispiel, da wäre momentan wohl eine Mehrheit für ein Verbot da).
    Was §166 angeht, so macht er die Beleidigung fest daran, wie viele sich über eine Äusserung aufregen. Was genau du mit „1920“ sagen willst, ist mir übrigens nicht annähernd klar. Ist diese Jahreszahl irgendwie besonders?

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