Berlinale Tag 1
Freitag, 14. Februar






Der offizielle Beginn ist für uns moderat um 11:45 im Zoo Palast. Es ist kalt und nieselt, aber die Vorfreude lässt keinen Platz für negative Empfindungen. Am Bahnhof Zoo gibt es Kaffee und Croissants und im Zoo Palast ergattere ich meinen Lieblingsplatz, auf dem ich die Beine hochlegen kann. Tilda Swinton ist wieder da und hält noch eine kleine Rede.
Danach geht es wieder in den Osten zur Uber Eats Hall für Welcome Home Baby. Bei meinen Mit-Cineasten ist sie verpönt und ja, sie hat den Charme einer Messehalle, aber sie ist luftig, die Leinwand ist gigantisch und es gibt ein paar Rangplätze, auf denen man ebenfalls die Beine hochlegen kann. Prioritäten!
Nächste Station: Haus der Berliner Festspiele. Auch hier lässt die Beinfreiheit leider sehr zu wünschen übrig, aber die Atmosphäre hat fast etwas altehrwürdiges.
Zum Abschluss des Kinotages ging es dann in den Berlinale-Palast, der sozusagen der „Flagship-Store“ der Berlinale ist. Hier gibt es die Premieren der Wettbewerbsfilme und den größten Glamour. Sollte man Karten für den obersten Rang erwischen, muss man wirklich schwindelfrei sein.
Tagesfazit: Nicht überwältigt, aber zufrieden.

Friendship’s Death
Statt wie geplant beim MIT landet „Friendship“, die außerirdische humanoide Maschine aus Versehen in Jordanien, mitten im Bürgerkrieg. Ein dort stationierter Journalist rettet sie direkt aus der Schusslinie. Ihre Story glaubt er ihr allerdings erstmal nicht.
Friendship’s Death ist ein eindrückliches Kammerspiel im beengten Hotelzimmer. Während draußen Bomben und Schüsse fallen, werden drinnen philosophische Fragen über Gesellschaft und Menschlichkeit austariert. Wie so oft in Filmen dieser Art, kann man sich die Frage stellen, wer hier eigentlich „menschlicher“ ist. Aktueller als je zuvor.
| Regie | Peter Wollen |
| Besetzung | Tilda Swinton, Patrick Bauchau, Bill Paterson |
| Produktionsland | Vereinigtes Königreich |
| Produktionsjahr | 1987 |
| Genre | Science Fiction, Drama |
| Schauspiel | ⭐⭐⭐⭐ |
| Inszenierung | ⭐⭐⭐⭐ |
| Anspruch | ⭐⭐ |
| Sogwirkung | ⭐⭐⭐ |

Welcome Home, Baby
Die junge Ärztin Judith fährt mit ihrem Mann Ryan von Berlin in ein Dorf in Österreich. Dort lebte ihr Vater – ebenfalls Arzt – dessen Haus sie zu ihrer Überraschung nun geerbt hat. Sie wird zwar scheinbar freundlich von ihrer Tante Paula empfangen, doch die Atmosphäre ist äußerst seltsam und die Menschen undurchsichtig.
Ein optisch sehr ansprechender Psychothriller mit übersinnlichen Elementen. Ich fand manche Dialoge ein bisschen hölzern, die Geschichte nicht immer schlüssig und vor allem zum Ende hin ziemlich „drüber“. Es gab aber sehr kreative, spannende Momente und Julia Franz Richter hatte eine intensive, überzeugende Präsenz.
| Regie | Andreas Prochaska |
| Besetzung | Julia Franz Richter, Reinout Scholten van Aschat, Gerti Drassl, Maria Hofstätter, Gerhard Liebmann, Linde Prelog, Inge Maux, Erika Mottl |
| Produktionsland | Österreich / Deutschland |
| Produktionsjahr | 2025 |
| Genre | Psychothriller, Horror |
| Schauspiel | ⭐⭐⭐ |
| Inszenierung | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Anspruch | ⭐ |
| Sogwirkung | ⭐⭐⭐ |

Schwesterherz
Rose und ihr großer Bruder Sami haben ein sehr enges Verhältnis zueinander. Als Rose sich von ihrer Freundin trennt, zieht sie temporär zu ihm in seine Wohnung. Eines nachts bekommt sie mit, wie er eine Frau mit nach Hause bringt. Nach ein paar Wochen wird sie zu genau dieser Nacht von der Polizei als Zeugin vorgeladen. Was ist genau passiert? Was sagt sie der Polizei? Und welche Konsequenzen kann das für ihren Bruder haben?
Den Plot fand ich sehr interessant, aber nicht 100% gelungen umgesetzt. Ich hätte mir noch mehr psychologische Tiefe und eine akzentuiertere Charakterentwicklung erhofft. Marie Bloching und Anton Weil spielen das aber sehr engagiert und überzeugend.
| Regie | Sarah Miro Fischer |
| Besetzung | Marie Bloching, Anton Weil, Proschat Madani, Laura Balzer, Jane Chirwa |
| Produktionsland | Deutschland / Spanien |
| Produktionsjahr | 2025 |
| Genre | Drama |
| Schauspiel | ⭐⭐⭐⭐ |
| Inszenierung | ⭐⭐⭐ |
| Anspruch | ⭐⭐⭐ |
| Sogwirkung | ⭐⭐⭐⭐ |

Hot Milk
Sofias Mutter hat eine unerklärliche Krankheit, wegen der sie nicht laufen kann. Beide fahren zusammen nach Spanien, um dort einen Wunderheiler zu konsultieren. Die durch Roses Krankheit bedingte, fast erstickende Beziehung zwischen den beiden wird zunächst durch die flimmernde Hitze noch verstärkt. Nach und nach beginnt Sofia jedoch, sich von der Mutter zu lösen und begegnet einer faszinierenden Frau.
Schauspielerisch war das sehr ansprechend. Aber auch wenn das vermutlich genau so gewollt war, fand ich die Trägheit und Beklemmung überbordend dargestellt. So war es ab einem gewissen Zeitpunkt einfach nur noch anstrengend zu schauen.
| Regie | Rebecca Lenkiewicz |
| Besetzung | Emma Mackey, Fiona Shaw, Vicky Krieps, Vincent Perez, Patsy Ferran, Yann Gael, Vangelis Mourikis |
| Produktionsland | Vereinigtes Königreich |
| Produktionsjahr | 2025 |
| Genre | Drama |
| Schauspiel | ⭐⭐⭐⭐ |
| Inszenierung | ⭐⭐⭐⭐ |
| Anspruch | ⭐⭐⭐⭐ |
| Sogwirkung | ⭐⭐ |


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