Berlinale Tag 2
Samstag, 15. Februar




Ab heute wird es morgens etwas stressig, denn um 10:00 gehen die Karten für Dienstag in den Verkauf. Wenn aber alles nach Plan gelaufen ist, sitzt man zu dieser Zeit im Kino und kann sie nicht bestellen. Zum Glück haben wir ja unsere Tricks und Verbündeten.
Der Tag beginnt früh im Zoopalast mit einem ganz entzückenden Film. Auch die nächsten drei stehen genau dort auf dem Programm, so dass wir statt zur U-Bahn zu laufen, in Ruhe zu Mittag essen und einen Kaffee trinken können.
Am Abend sollte ich dann das unbequemste „Kino“ meines Lebens kennenlernen. Ich nehme für einen guten Film wirklich einiges in Kauf, aber das Stage Blumax Theater hat mich an meine Grenzen gebracht. Der Weg zum Saal führt durch ein Escher-würdiges Labyrinth aus Rolltreppen, Brücken und Gängen. Die Treppe zu den oberen Sitzen ist dermaßen steil, dass meine – eigentlich gesunden – Knie protestiert haben und ebendiese Knie, die nun nicht gerade zu besonders langen Beinen gehören, stoßen fast an die Rückenlehne des Vordermenschen. Wehe, da muss noch jemand durch die Reihe! Die Sitze sind hart und klein und die Luft ist warm und stickig. Wer sich da was bei gedacht hat… man weiß es nicht.
Tagesfazit: Ich bin schon an Tag 2 sehr müde. Wo soll das noch enden?

The Botanist (Zhi Wu Xue Jia)
Der stille kasachische Junge Arsin wohnt mit seiner Großmutter direkt hinter der chinesischen Grenze und verbringt seine Zeit gern alleine in der Natur. Er träumt, sammelt Pflanzen und beobachtet Tiere. Eines Tages taucht das chinesische Mädchen Meiyu auf und zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Freundschaft.
Kontemplativ und liebevoll inszeniert und mit genauem Auge für die kleinen wundervollen und erstaunlichen Dinge, die es überall zu entdecken gibt.
| Regie | Jing Yi |
| Besetzung | Jahseleh Yesl, Ren Zihan, Nurdaolet Jalen, Eramazan Sarhet, Jomajan Songhat |
| Produktionsland | Volksrepublik China |
| Produktionsjahr | 2025 |
| Genre | Drama |
| Schauspiel | ⭐⭐⭐⭐ |
| Inszenierung | ⭐⭐⭐⭐ |
| Anspruch | ⭐⭐⭐⭐ |
| Sogwirkung | ⭐⭐⭐ |

Paternal Leave
Teenie Leo reist ohne Wissen ihrer Mutter alleine nach Italien, um ihren leiblichen Vater zu suchen. Sie hat ihn nie kennengelernt, aber zufällig in einem YouTube-Video entdeckt. Als sie plötzlich in seiner Surfschule steht, ist er mit der Situation ziemlich überfordert.
Ein feinfühliges Drama über schwierige Gefühle, Erwartungen, Enttäuschungen und Chancen. Luca Marinelli ist ohnehin großartig, aber auch Juli Grabenhenrich und Arturo Gabbriellini haben mich vollends überzeugt. Einer meiner Favoriten.
| Regie | Alissa Jung |
| Besetzung | Juli Grabenhenrich, Luca Marinelli, Arturo Gabbriellini, Joy Falletti Cardillo, Gaia Rinaldi |
| Produktionsland | Deutschland / Italien |
| Produktionsjahr | 2025 |
| Genre | Drama |
| Schauspiel | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Inszenierung | ⭐⭐⭐⭐ |
| Anspruch | ⭐⭐⭐⭐ |
| Sogwirkung | ⭐⭐⭐⭐⭐ |

Zikaden
Isabell ist beruflich eine sehr erfolgreiche Frau, aber in ihrer Ehe kriselt es und ihre Eltern können sich so langsam nicht mehr selbst versorgen. Als sie von Berlin zu ihnen nach Brandenburg reist, trifft sie auf die etwas undurchsichtige Anja. Als Frauen in zwei völlig unterschiedlichen Welten versuchen sie, freundschaftliche Bande zu knüpfen.
Vielleicht ist der Film insgesamt zu ruhig und unspektaktulär gemacht, denn obwohl die Geschichte stimmig und interessant war, kam keine rechte Begeisterung bei mir auf. Es gibt aber wirklich prägnante, tiefgründige Szenen, die den Zuschauer über die großen Lebensfragen nachdenken lassen. Gespielt war er auch völlig überzeugend, vor allem von Nina Hoss und Saskia Rosendahl.
| Regie | Ina Weisse |
| Besetzung | Nina Hoss, Saskia Rosendahl, Vincent Macaigne, Thorsten Merten |
| Produktionsland | Deutschland / Frankreich |
| Produktionsjahr | 2025 |
| Genre | Drama |
| Schauspiel | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Inszenierung | ⭐⭐⭐⭐ |
| Anspruch | ⭐⭐⭐ |
| Sogwirkung | ⭐⭐⭐⭐ |

Hysteria
Auch hier wieder die Krux der hohen Erwartung. Die Ausgangslage war aber auch wirklich extrem interessant! Elif arbeitet beim Dreh eines Films über den Brandanschlag von Solingen. Als der Crew auffällt, dass am Set ein echter Koran verbrannt wurde, kippt die Stimmung. Elifs Ehrgeiz, den Regisseur von ihrer Kompetenz zu überzeugen, verleitet sie zusätzlich zu ein paar gewagten Entscheidungen, was die Lage weiter eskalieren lässt.
Riesen-Idee, leider nicht ganz gelungen umgesetzt. Die Dialoge erschienen mir teilwese völlig lebensfern, das Verhalten der Figuren war nicht immer nachvollziehbar und ein paar schauspielerische Aussetzer (nicht bei Devrim Lingnau) haben das Filmerlebnis leider geschmälert.
| Regie | Mehmet Akif Büyükatalay |
| Besetzung | Devrim Lingnau, Mehdi Meskar, Serkan Kaya, Nicolette Krebitz, Aziz Çapkurt, Nazmi Kırık |
| Produktionsland | Deutschland |
| Produktionsjahr | 2025 |
| Genre | Drama |
| Schauspiel | ⭐⭐⭐ |
| Inszenierung | ⭐⭐⭐⭐ |
| Anspruch | ⭐⭐ |
| Sogwirkung | ⭐⭐⭐⭐ |

Where the Night Stands Still (Come la Notte)
Philippinin Lilia arbeitet in Italien als Haushälterin bei einer alten Dame. Als diese stirbt, erbt Lilia zu ihrer großen Überraschung das Haus. Vorsichtig erkundet sie mit ganz neuem Blick ihren ehemaligen Arbeitsplatz und lädt ihre Geschwister ein, sie dort zu besuchen. Bei diesem Zusammentreffen kommen viele Erinnerungen und ungelöste Konflikte ans Licht.
Schwarzweiß, ruhig, langsam, meditativ, elliptisch… Das war scheinbar kein guter Film für den späten Abend, denn ich bin zwischendurch immer wieder eingeschlafen. Was ich gesehen habe, hat mich sehr angesprochen und ein wenig an Roma erinnert.
| Regie | Liryc Dela Cruz |
| Besetzung | Jenny Llanto Caringal, Tess Magallanes, Benjamin Vasquez Barcellano Jr. |
| Produktionsland | Italien / Philippinen |
| Produktionsjahr | 2025 |
| Genre | Drama |
| Schauspiel | ⭐⭐⭐ |
| Inszenierung | ⭐⭐⭐⭐ |
| Anspruch | ⭐⭐⭐⭐ |
| Sogwirkung | ⭐⭐ |


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