Berlinale Tag 3
Sonntag, 16. Februar




Nach einem eiskalten, sonnigen Spaziergang (macht wach!) vom Bahnhof Zoo zur Urania (die ich sehr mag, obwohl man ziemlich beengt sitzt), startet der Kinotag mit einem weiteren Wettbewerbsfilm, diesmal aus Frankreich. Danach geht es quer durch die Stadt, diesmal mit Ziel Alexanderplatz. Im Cinestar Cubix bin ich gerne. Das hat zwar keinen cineastischen Charme aber sehr gemütliche Sitze und viel Platz. Auch den Berlinale Palast sehen wir heute wieder von innen, aber leider auch das ungeliebte Stage Bluemax Theater.

Ari
Der in sich gekehrte Ari liebt Kinder und ist angehender Grundschullehrer. Bei einem Besuch der Schulinspektion während seines Referendariats wird klar, dass er psychisch – zumindest momentan – für diese Arbeit nicht geeignet ist. Um seine Probleme in den Griff zu bekommen und zu sich zu finden, nimmt er sich eine Auszeit und besucht Freunde und Familie.
Junge Franzosen, die viel reden und viel rauchen, Konflikte über Lebensentwürfe, ein sympathisch-verlorener Protagonist und ein wie ich finde liebevoller Blick auf „Mental Health“. Schön!
| Regie | Léonor Serraille |
| Besetzung | Andranic Manet, Pascal Rénéric, Théo Delezenne, Ryad Ferrad, Eva Lallier Juan, Lomane de Dietrich, Mikaël-Don Giancarli, Clémence Coullon |
| Produktionsland | Frankreich / Belgien |
| Produktionsjahr | 2025 |
| Genre | Drama |
| Schauspiel | ⭐⭐⭐⭐ |
| Inszenierung | ⭐⭐⭐ |
| Anspruch | ⭐⭐⭐ |
| Sogwirkung | ⭐⭐⭐ |

Tiger’s Pond (Vaghachipani)
Ein indischer Geschäftsmann und Lokalpolitiker steht kurz vor der Wahl. Er reist in seinem vom „Tigergott“ beherrschten Gebiet von Dorf zu Dorf und versucht teils mit Gönnerhaftigkeit, teils mit Bestechung und Einschüchterung, Wählerstimmen zu sichern. Den Skandal, dass ein Mädchen aus der untersten Kaste schwanger wird und eine Vergewaltigung im Raum steht, möchte er sofort aus der Welt schaffen. Auf das Mädchen oder Gerechtigkeit kommt es ihm dabei allerdings nicht an.
Ich habe wohl leider sehr viele indische Anspielungen und Details nicht verstanden, war aber von der intensiven Stimmung, den eindringlichen Bildern und dem mystischen Einschlag sehr fasziniert.
| Regie | Natesh Hegde |
| Besetzung | Dileesh Pothan, Achyut Kumar, Natesh, Gopal Hegde, Sumitra, Bindu Raxidi |
| Produktionsland | Indien / Singapur |
| Produktionsjahr | 2025 |
| Genre | Drama, Fantasy |
| Schauspiel | ⭐⭐⭐⭐ |
| Inszenierung | ⭐⭐⭐⭐ |
| Anspruch | ⭐⭐⭐ |
| Sogwirkung | ⭐⭐⭐⭐ |

Shadowbox (Baksho Bondi)
Maya lebt mit Ihrem Mann Sundar und dem gemeinsamen Sohn in einem Vorort von Kalkutta. Sundar leidet schwer unter PTSD und kann weder am Familienleben teilnehmen, noch zum Unterhalt beisteuern. Maya muss mit mehreren Jobs die Familie alleine versorgen, den Sohn großziehen und auch noch mit der Stigmatisierung im Umfeld fertig werden, die Sundars psychische Erkrankung mit sich bringt. Pötzlich wird Sundar auch noch verdächtigt, einen Mord begangen zu haben.
Sehr spannender Einblick in das Leben in Kalkutta und die indische Gesellschaft. Ebenso die Erkenntnis, in welch vielfältiger Weise eine starke Frau auftrete kann. Tillotama Shome spielt Maya großartig mit Energie, Präsenz und Gefühl.
| Regie | Tanushree Das |
| Besetzung | Tillotama Shome, Chandan Bisht, Sayan Karmakar, Suman Saha |
| Produktionsland | Indien / Frankreich / USA / Spanien |
| Produktionsjahr | 2025 |
| Genre | Drama |
| Schauspiel | ⭐⭐⭐⭐ |
| Inszenierung | ⭐⭐⭐⭐ |
| Anspruch | ⭐⭐⭐⭐ |
| Sogwirkung | ⭐⭐⭐⭐ |

Herz aus Eis (La Tour de Glace)
Frankreich, 70er Jahre. Teenie Jeanne läuft aus dem Waisenhaus in den winterlichen Bergen davon. Ihr Weg führt sie in die nahegelegene Stadt, wo sie auf der Suche nach einem Unterschlupf für die Nacht in einem Filmstudio landet. Dort wird gerade „Die Eiskönigin“ gedreht. Jeanne ist völlig fasziniert von der schönen, unnahbaren Hauptdarstellerin.
Die Atmosphäre des Films ist genauso eisig, wie die Eiskönigin. Kulisse und Kostüme sind stylish und stimmig. Auch schauspielerisch habe ich nichts auszusetzen. Aber durch die blutleere Stimmung bin ich nicht in die Geschichte hineingekommen.
| Regie | Lucile Hadžihalilović |
| Besetzung | Marion Cotillard, Clara Pacini, August Diehl, Gaspar Noé, Marine Gesbert, Lilas-Rose Gilberti |
| Produktionsland | Frankreich / Deutschland |
| Produktionsjahr | 2025 |
| Genre | Drama, Fantasy |
| Schauspiel | ⭐⭐⭐⭐ |
| Inszenierung | ⭐⭐⭐ |
| Anspruch | ⭐⭐⭐⭐ |
| Sogwirkung | ⭐⭐ |

How to be normal and the Oddness of the other World
Pia wird aus der Psychiatrie entlassen und zieht vorübergehend zu ihren Eltern zurück, um sich schrittweise wieder in den Alltag einzufinden. Aber woran soll sie erkennen, dass sie wieder „normal“ ist. Was bedeutet das überhaupt und wer soll das entscheiden?
Das war ein kreativer, witziger und temporeicher Film, der die Absurdität und Komik des Lebens genauso zeigt wie die Schwierigkeit,seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. ohne dabei psychische Krankheit lächerlich zu machen. Luisa-Céline Gaffron gibt alles und überzeugt vollkommen.
| Regie | Florian Pochlatko |
| Besetzung | Luisa-Céline Gaffron, Elke Winkens, Cornelius Obonya, Felix Pöchhacker, David Scheid, Lion Thomas Tatzber |
| Produktionsland | Österreich |
| Produktionsjahr | 2025 |
| Genre | Drama, Komödie |
| Schauspiel | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Inszenierung | ⭐⭐⭐⭐ |
| Anspruch | ⭐⭐⭐ |
| Sogwirkung | ⭐⭐⭐⭐⭐ |


Schreibe einen Kommentar