Berlinale-Tagebuch 2026

Berlinale Tag 1

Freitag, 13. Februar

Hey, Siri

Im Gegensatz zu gestern, war das morgendliche Kartenkaufen ein Traum. Drei Wunschfilme, drei Mal um 10:00 auf „neu laden“ und „in den Warenkorb“ klicken, fertig. Dann mussten wir auch schon bald los und zwar direkt Richtung Potsdamer Platz für eine Doku über die extrem kriegsgebeutelte Stadt Goma in der Demokratischen Republik Kongo. Leider lief sie im verhassten Stage Bluemax Theater, das allerdings nicht annähernd so unbequem und schlecht belüftet war, wie ich es in Erinnerung hatte 🤔

Für den Film selbst fehlte uns leider das politische Vorwissen. Eine Situation, die sich eigentlich durch das Schauen einer Dokumentation ändern lassen könnte. Aber dazu müssten die Filmemacher sich entschließen, diese Informationen auch in den Film einfließen zu lassen. Nun ja. Die Bilder waren faszinierend. Schlauer werden müssen wir auf anderem Wege.

Bei der Tagesplanung hatten wir wohl irgendwie vergessen, auf Zeiten und Entfernungen zu achten, denn wir mussten sofort bei Erscheinen des Abspanns raus und zur Bahn traben. Uff.

Der nächste Film lief in der Uber Eats Music Hall und versprach eine ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen einer älteren, palästinensischen Witwe und einem jungen sudanesischen Geflüchteten im Libanon. Der Film fing eine ganze Viertelstunde zu spät an, weswegen wir auch hier die letzten Sekunden schon stehend an der Tür geschaut haben und sofort wieder losgespurtet sind, denn im Haus der Berliner Festspiele wartete die von mir sehr verehrte Siri Hustvedt.

Da hätte man uns (und sehr viele andere) schon beinahe nicht mehr reingelassen und wir konnten nur noch nicht ganz so optimale Plätze hinter- statt nebeneinander ergattern. Aber das war nicht schlimm, denn ich habe jedes Bild und Wort dieser großartigen Doku über eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen aufgesaugt. Auch von ihrem Ehemann Paul Auster, der ja leider letztes Jahr verstorben ist, war natürlich viel zu sehen und zu hören. Was für faszinierende Menschen! Zwischen Abspann und Filmgespräch bin ich dann noch mal zur Toilette und fast in Siri Hustvedt und Sophie Auster hineingerannt, die gerade dort aus der Tür kamen. Vor lauter Schreck habe ich sie mit einem freudestrahlenden „Oh hi!“ begrüßt, als wären wir alte Bekannte 😂

Dann hatten wir endlich etwas Zeit, den dazu passenden Hunger und ich kann an dieser Stelle direkt mal das „Shaniu’s House of Noodles“ auf der Pariser Straße empfehlen. Mein Plan war, leichte aufkommende Erkältungssymptome mit einem Chili-Knoblauch-Inferno zu bekämpfen und die gewählten Tan Tan Noodles haben diesen Job ausgezeichnet erledigt.

Weil wir scheinbar nicht aus Fehlern lernen können, mussten wir schon wieder rennen, denn plötzlich hatten wir nur noch 45 Minuten Zeit, um zurück zum Potsdamer Platz zu kommen, wo uns der letzte Film erwartete – eine Art surreal angehauchter Western über eine kleine Stadt in Wisconsin, in der 1870 eine Epidemie ausbricht und den Sheriff/Pastor in Bedrängnis bringt. Das war ganz anders als erwartet und vielleicht nicht einmal besonders gut. Da muss ich nochmal drüber nachdenken.

Dass wir am Bahnhof Zoo noch mal einen Sprint über den Vorplatz, durch die Halle und hoch zum S-Bahn-Gleis hinlegen mussten, war ja irgendwie klar. Ich werde topfit nach Hause kommen, wenn das so weiter geht.

< EröffnungsabendTag 2>

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