Berlinale-Tagebuch 2026

Berlinale Tag 4

Montag, 16. Februar

Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Heute kam der obligatorische Umschwung von „Wir haben viel zu wenig Tickets und ich hab Angst, dass wir die ganzen guten Filme verpassen!“ zu „Sind wir eigentlich bekloppt? Warum haben wir uns jeden der kommenden Tag von morgens bis abends vollgeballert?“ 🤦🏼‍♀️

Rücken und Beine sind nicht mehr ganz so begeistert. Im Gehirn bildet sich langsam das wirre Mosaik aus Szenen und Zitaten. Morgens, mittags, abends sind nur noch bedeutungslose Wörter. Welchen Film haben wir gerade geguckt und wo sind wir? Alles unnützes Wissen!

Der erste Film war direkt eine dreistündige Herausforderung. Zwischen Castingszenen und Filmszenen, zwischen Frankreich und Guinea-Bissau und zwischen einer Hochzeit und einer Begräbniszeremonie kann man schon mal den Faden verlieren. Vor allem, wenn man noch keinen Kaffee hatte.

Und weil das so schön war, durften wir nach einer kleinen Reise zum Potsdamer Platz direkt wieder fast drei Stunden sitzen. Ich fange an, die Kinos mit Fluggesellschaften zu vergleichen (der Berlinale Palast ist zwar optisch eher Emirates, platztechnisch leider RyanAir), verstaue mein Gepäck unter dem Sitz und denke über Kompressionsstrümpfe nach. Dann brät der Hauptdarsteller mit routinierten Handgriffen Nudeln in einem ca. 15 Meter großen Wok und mir fehlt der Bord-Service.

Weiter geht’s zum Zoo Palast für London, auf den ich mich schon die ganze Zeit freue. Und obwohl er nur ruhig die Gespräche zwischen Fahrer und Beifahrer zeigt, schlafe ich nicht ein. Ich bin ein bisschen stolz und guter Dinge.

Aber dann… Ich hatte mir ja schon gedacht, dass Die Blutgräfin nicht so meins sein würde und ich hab mir wirklich Mühe gegeben, mich darauf einzulassen, aber nach zehn Minuten hab ich aufgegeben. Was für ein bizarrer Kokolores 😂 Aber gut, das war dann der Moment, in dem ich mich gemütlich zurücklehnen und ohne schlechtes Gewissen einschlafen konnte.

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