Berlinale-Tagebuch 2026

Berlinale Tag 7

Donnerstag, 19. Februar

Belgisch aufwachen, Pakistanisch einschlafen

So ein Katastrophenfilm am Morgen ist schon was besonderes. Ich habe dann auch besonders daran gedacht, dass hier ja auch in keiner der Spielstätten die Taschen kontrolliert werden und eine Menge politische Filme gezeigt werden – was übrigens auch gut so ist, Wim Wenders! Von so einer Art Katastrophe handelte der extrem gut gemachte Heysel 85 allerdings gar nicht, trotzdem hab ich die Menschenmenge, die sich da so immer ins Kino schiebt, ein wenig anders betrachtet.

Namentlich auch etwas besonderes sollte der nächste Film sein. Mich hat er allerdings nicht vom Sessel im Zoo Palast gerissen. Ich fand die Charaktere ausnahmslos seltsam und ihr Verhalten unschlüssig dargestellt. Dabei hatte die Story eigentlich Potenzial. Hier hätte ich mal schlafen sollen, dann wäre nicht Lali, der erste pakistanische Film meines Lebens der Müdigkeit, dem vollen Bauch und dem bequemen Sitz größtenteils zum Opfer gefallen.

Die Zeit, wieder gen Osten zur Uber Eats Music Hall zu fahren, war ohnehin schon knapp bemessen und durch einen Polizeieinsatz war der Bahnverkehr gestört. Seufz… also wieder mal Treppen laufen und Power Walking. Allerdings hat Moscas dafür großzügig entschädigt. In den ersten Minuten hab ich noch gedacht, dass er viel zu ruhig und abgehoben ist, dann wurde er zum kleinen, subtil humorvollen Juwel der Menschlichkeit, in dem vor allem der kleine Junge eine große Performance hingelegt hat.

Zum einzigen Mal am Alexanderplatz ging dann der Tag mit Lady zu Ende, einem Drama um eine nigerianische Taxifahrerin, die von einem Unterwelt-Boss angeheuert wird. Der war voller faszinierender Bilder und spannend, leider ging er meiner Meinung nach aber von einer absurden Prämisse aus, was mich die ganze Zeit latent geärgert hat.

Auf der Heimfahrt hab ich mal ein paar News rund um die Berlinale gelesen, weil man ja paradoxerweise nichts mitbekommt, wenn man mittendrin ist. Dieser offene Brief, in dem von Zensur gegenüber pro-palästinensischen Äußerungen die Rede ist… Naja. Ich persönlich habe schon mal drei Regisseuren dabei zugehört, wie sie ganz in Ruhe ihre Statements zu dem Thema abgegeben haben.

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