Bleib, wo wir dich hingeschickt haben!

Als ich vor einiger Zeit von diesem Thema gehört habe, konnte ich es ja nicht fassen. Menschen, die in Deutschland Asyl suchen, werden nicht nur ungeachtet ihrer Präferenzen, Verwandtschaften oder Bekanntschaften einem bestimmten Ort in Deutschland zugewiesen (die „gleichmäßige Verteilung“ der Flüchtlinge soll für die gleichmäßige Verteilung der Kosten sorgen) und kommen in Sammelunterkünften unter, weil sie nicht in „normalen“ Wohnungen wohnen dürfen. Nein, sie dürfen diesen Ihnen willkürlich zugewiesenen Ort auch während der Dauer ihres Aufnahmeverfahrens nicht ohne eine vorher beantragte Genehmigung verlassen. Und das kann Jahre dauern.

Eine gute Freundin von mir betreut ab und zu ein schwer krankes Mädchen aus Albanien, dessen Eltern Asylsuchende sind. Als dieses Kind einmal zu einer Behandlung in einem Krankenhaus in eine andere Stadt musste und dabei plötzlich Komplikationen auftraten, durften die Eltern ihre Tochter nicht besuchen. Dabei war der Zustand wirklich kritisch und es hätte sein können, dass sie ihre Tochter nie wieder sehen. Der Bruder des Vaters wohnt ein paar hundert Kilometer entfernt. Ein spontaner Besuch ohne vorherige Beantragung der Genehmigung ist auch hier nicht drin.

Was genau versprechen wir uns davon, ein solches Gesetz zu haben und zu praktizieren? Wem schadet es, wenn Menschen, die hier leben, für ein paar Stunden oder ein paar Tage in eine andere Stadt oder ein anderes Bundesland fahren, um ihre Familie oder ihre Freunde zu besuchen, einen Ausflug zu machen oder irgendwelche persönlichen Angelegenheiten zu regeln?

Als Grund wird u.a. der Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung angeführt. Kriminell sein kann man aber auch in einer Stadt und wie wirkt es sich wohl auf die Psyche der Menschen aus, am Stadtrand in einem Lager zu wohnen und innerhalb der Stadtgrenzen eingesperrt zu sein. Ein Quell von Zufriedenheit, Vertrauen uns Respekt der hiesigen Verwaltung und Gesellschaft gegenüber ist das sicherlich nicht! Ich denke, es verhindert vor allem die Integration. Wie soll jemand hier Fuß fassen, der sich nicht frei bewegen kann?

Außer den Problemen, die den Asylsuchenden persönlich entstehen, hat dieses Verfahren aber noch weitere negative Auswirkungen. Die Polizei ist quasi dazu gezwungen, diskriminierende Kontrollen an Menschen durchzuführen, die „irgendwie ausländisch aussehen“. Wie wirkt das wohl auf die Kontrollierten und die restliche Bevölkerung? Und wie sieht es eigentlich mit den Kosten für den bürokratischen Aufwand aus? Weiterhin werden die Asylsuchenden und ihre Probleme durch die räumliche Isolation aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt. Und eine nicht informierte Bevölkerung ist ja immer ein Garant dafür, in Ruhe seine Gesetze zu machen und durchzusetzen. Auch wenn es stark den Anschein hat, dass diese gegen die Grundrechte verstoßen.

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2 thoughts on “Bleib, wo wir dich hingeschickt haben!”

  1. Dass der Zustand der Asylpolitik traurig ist, will ich nicht bestreiten – aber die Materie an sich ist schwierig.

    (1) müsste man sich durchringen, Deutschland (wie auch Österreich) als Einwanderungsland zu sehen. Bisher sieht man in Zuwanderern vor allem die Gefahr für Ordnung & Sicherheit (klauen ja angeblich alle wie die Raben), für unsere sozialen Systeme (sind ja faul) und für den Arbeitsmarkt (sind sie nicht faul, nehmen sie „uns“ die eh knappen Arbeitsplätze weg). Dabei stirbt langfristig in Westeuropa die Bevölkerung aus, was unsere Sozialsysteme in wenigen Jahrzehnten arg belasten wird. Würde man Zuwanderung vernünftig steuern UND fördern, hätte man fleissige, der Gemeinschaft nützliche Einwohner statt jahrelang weggesperrte und mies behandelte potentielle Sicherheitsprobleme.

    (2) Europa wird vor allem gegen Zuwanderung aus Afrika regelrecht zur Festung ausgebaut. Dabei wär das Geld sinnvoller in Hilfsprojekten angelegt, Afrika irgendwie zu stabilisieren. Aber ja, DAS ist wirklich ein heikles Thema, für welches es kein simples Rezept gibt. Leider.

    (3) Wir kommen noch nicht einmal mit den Gastarbeitern zurecht, deren Familien oft seit mehreren Generationen bei uns leben, die auf dem Papier Österreicher/Deutsche sind und doch jeden Tag merken, dass es eben eine Zweiklassengesellschaft gibt. Da ist sicher auch die mangelnde Integration einiger Gruppen schuld, aber eben auch das öffentliche Pflegen von Vorurteilen (siehe Wahlkampf-Parolen).

    Apropos Gastarbeiter: Nachdem die Deutschen inzwischen in Österreich die grösste Gruppe an Fremden stellt, brachte einer unserer Comedians letztens den denkwürdigen Satz: „Bei der nächsten EM (2012 in Polen/Ukraine) treten wir (Österreicher) gegen die zwei grossen Gastarbeiternationen Deutschland und Türkei in der gleichen Runde an.“ Sehr gut getroffen. Denn jeder ist in fast jedem Winkel der Welt ein Fremder. Kann man nicht oft genug betonen.

  2. Sehr wahre Worte. Das Thema ist sicher zu komplex, um das mal eben so auf die Schnelle zu lösen. Ich denke aber, wenn die Menschen hier angekommen sind und wir sie erstmal hierbleiben lassen, sollte es selbstverständlich sein, sie auch nach menschlichen Grundsätzen zu behandeln. Und ich kann mir wie gesagt nicht vorstellen, dass das größere Probleme gibt, wenn man ihnen innerhalb des Landes freie Bewegung zugesteht. Wer Verbrechen begehen möchte oder abhauen und sich irgendwo verstecken, wird das sicher trotzdem tun und die anderen fühlen sich vielleicht ein klein wenig akzeptierter. Außerdem glaube ich, spart das wirklich ’ne Menge bürokratischen Aufwand. Aber wer weiß… Vielleicht ist das ja auch eine gezielte Abschreckungsstrategie. Und integrierte Menschen kann man auch nicht leicht wieder abschieben.

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