Brauchtums-Erkundung

Schützenfest Büttgen 2011Schützenfeste sind böse und die, die da mitmachen sind alle verkappte Nazis. So ähnlich hat meine Mama mir das jedenfalls beigebracht. Dementsprechend staunte ich nicht schlecht, dass mein neuer Chef, der total nette, lockere, moderne Mensch da gerne mitmacht. Irgendwas scheint also an dieser Meinung nicht zu stimmen. Und da ich ohnehin eine freundliche Einladung erhalten habe, habe ich mir das Ganze mal so unvoreingenommen wie möglich aus der Nähe betrachtet.

Eine diffuse Abneigung gegen alles dörfliche und eine gar nicht diffuse, sondern massive Abneigung gegen alles militärisch-uniformierte haben es mir nicht leicht gemacht. Und auch die Musik ist jetzt nicht ganz so mein Geschmack.

ABER! Wenn jede Menge verschiedenste Menschen gut gelaunt gemeinsam draußen feiern, ist das immer schon mein Geschmack gewesen. Deswegen fand ich die Fußball-WM hier so toll, deswegen mag ich Karneval und jegliche Art von Straßenfesten überall. Und so war das auch gestern in Büttgen. Ich weiß nicht, wie viele Einwohner Büttgen hat, aber diejenigen, die nicht auf der Straße standen, um sich die Parade anzuschauen, oder im Zelt oder auf der Kirmes ihren Spaß hatten, kann man sicher an höchstens drei Händen abzählen. Alte Leute, junge Leute, Familien… Jeder sah zufrieden und freundlich aus und es entstand ein riesiges Gemeinschaftsgefühl. Was will man denn mehr? Ich kenne die Strukturen nicht wirklich, aber dass da Männer, Frauen, Kinder, Ur-Büttgener und offensichtlich nicht ganz so Ur-Büttgener mitgelaufen sind und mitgefeiert haben, zeugt nicht gerade von elitärem Verhalten und wenn es etwas gibt, wo alle mitmachen möchten und dürfen – prima!

Mein Fazit lautet also, auch wenn ein Schützenfest grundsätzlich nicht mein Ding ist, hatte ich einen schönen Nachmittag und werde nächstes Jahr wieder dabei sein. Dann auch mal im Zelt mit bestimmt dem einen oder anderen Bierchen 😉

Schützenfest Büttgen 2011
Da, ein langhaariger! Alles total modern! 🙂

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7 thoughts on “Brauchtums-Erkundung”

  1. Am Ende mit einer freudschen Fehlleistung: „Mein Fazit lautet also, auch wenn ein Schützenfest grundsätzlich mein Ding ist, …“
    Ich glaub trotzdem eher dem, was deine Mutter dir versucht hat zu vermitteln!

    1. Hey, wenn sich jemand ne Uniform anzieht, einen Dienstgrad gibt und zu Marschmusik durch die Straße zieht sollte er sich bewusst sein, was das für eine Wirkung auf seine Mitmenschen hat.
      Dann muss man auch damit leben, wenn sich so manch einer abwendet!
      Und wenn sich der Typ mit Uniform, Dienstgrad und Marschmusik nicht um seine Außenwirkung kümmt dann um so besser wenn sich seine Mitmenschen abwenden.

      1. Wenn jemand, der sich scheinbar noch nie ernsthaft mit Schützenfesten und dem viele hundert Jahre alten Brauchtum beschäftigt hat, Menschen die gerne dabei mitmachen, pauschal als verkappte Nazis bezeichnet, der sollte sich lieber fragen wer sich hier von wem abwendet…

        Es ist etwas völlig anders, wenn man das Ganze für Blödsinn, Karneval, ein großes Besäufnis oder sonst was Albernes hält. Man muss ja nicht mitmachen. Aber die daran teilnehmenden Mitmenschen pauschal in die rechte Ecke zu schieben, das geht absolut gar nicht!

  2. ja, vor allem das motto „glaube, sitte, heimat“ ultra modern. und dass frauen nur im hofstaat erlaubt sind – suuuper modern. dass moslems und juden nur zusehen dürfen (wobei es den einen oder anderen türken im schützenzug gibt, und sich das in einigen bruderschaften auch schon lockert), das nenn ich geradezu hip.

    schützenfest ist wie karneval: ein organisiertes besäufniss und herumgefummel.

    und was mir als NICT schütze hier im ort schon wieder an gerüchten, geschichten, heuchlereien zugetragen wurde , zieht mir echt die schuhe aus.

    1. Ich weiß ja nicht wie die Bräuche so am Niederrhein sind, aber in meinem Heimatort sind eine ganze Reihe gemischte Kompanien und die Frauen sind nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern schießen genauso um die Königswürde mit. So gab es 2006 die erste Schützenkönigin.

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