Schon als wir um die Ecke biegen, riecht es nach Marihuana. Ein paar junge Leute stehen, vom leichten Herbstregen unbeeindruckt, vor dem Haus, das wohl den Jazz-Club beherbergt. Die Tür geht auf und einige Menschen schieben sich heraus. Hinter ihnen öffnet sich mir der Blick ins Innere. Es ist ein kleiner Souterrain-Raum mit einer Bühne, einigen einfachen Holzstühlen für das Publikum und einer Bar im hinteren Bereich. Fast sehe ich die Rauchschwaden vergangener Zeiten über der Szenerie wabern. Aber auch ohne Zigaretten ist die Luft eine Herausforderung, denn der Raum ist bis auf den letzten Quadratzentimeter mit Menschen gefüllt. Es ist so wenig Platz, dass wir auf der Treppe stehen bleiben müssen. Erst als sich ein paar Besucher Richtung Ausgang an uns vorbeiquetschen, können wir hinunter. Ich rieche feuchte, nicht mehr ganz frisch gewaschene Jacken, Parfum, Knoblauch, Alkohol. Das hier ist der Corona-Angst-Endgegner, denke ich. Und: Hören diese Gedanken irgendwann auch mal wieder auf?
Ich stehe etwas unsicher herum, wie so oft, wenn ich in Situationen gerate, die schon in vollem Gange sind, die Rollen verteilt, das Setting austariert. Ein Bier. Der Mann kämpft sich zur Bar durch und ich lauere auf zwei Sitzplätze, die überraschend schnell frei werden. Ich versuche, mich ein wenig zu entspannen und schaue die anderen Menschen an. Sie sind alt und jung, cool und konservativ, eine Mischung, die mir gefällt und die Bedenken nimmt, ich könne hier irgendwie nicht hingehören.
Auf der Bühne geht es jetzt weiter. Die drei jungen Musiker – vielleicht Studenten – spielen mit Hingabe und wie immer, wenn ich dabei zusehe, spüre ich diese Mischung aus Bewunderung und Fremdscham. Mir fehlt absolut die Leidenschaft, mich einem so komplexen Ding wie einem Saxophon lange genug zu widmen, um die anstrengende dilettantische Phase zu überwinden. Und es ist mir peinlich, auch wenn ich mich deswegen selbst eine Banausin schimpfe, in die engagierten Gesichter zu schauen, die völlig versunken mit den Fingern mitzucken. Musik, denke ich. Hinhören!
Ich schließe die Augen. Und dann fühle ich es auch.
Foto: Kerstin Dreßen





