Kategorie: Rezension

  • Die, my Love

    Die, my Love

    Die, my Love erzählt von der jungen, schwangeren Grace, die mit ihrem Lebensgefährten Jackson in ein abgelegenes Farmhaus nahe seiner Familie zieht. Ihre Persönlichkeit und Seelengesundheit kollidieren dort jedoch zunehmend mit den Erwartungen an Beziehung und Mutterschaft. Vom beruflich reisenden Jackson weitgehend alleingelassen, kippen Graces Gefühle immer häufiger in unschöne Sphären: Das gemeinsam geschaffene Zuhause wird zum Gefängnis, die mütterliche Überforderung zur postpartalen Depression und die Leidenschaft in der Beziehung zu Wahn und rasender Eifersucht.

    Jennifer Lawrence trägt den Film mit ihrem radikal körperlichen und emotionalen Spiel. Ihre innere Zerrissenheit wird schmerzhaft spürbar und ist oft schwer auszuhalten. Die emotionale Spannung entsteht hier weniger aus tatsächlichen Konfliktsituationen, als aus einer permanenten inneren Unruhe, die sich auf den Zuschauer überträgt. Ein intensiver, unbequemer Film, der lange nachwirkt.

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  • „Die Statik der Träume“ im BIS-Kino

    „Die Statik der Träume“ im BIS-Kino

    Es sind die Zeugen einer Rückkehr, die nie stattgefunden hat: Rohbauten, halbfertige und vollendete Häuser im Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens. Gebäude, die vor Jahrzehnten von „Gastarbeiterfamilien“ gebaut wurden und heute nach und nach in die Hände der Kinder übergehen. Und zwar als Komplettpaket inklusive Kindheitserinnerungen, elterlichen Träumen und allen finanziellen und organisatorischen Verpflichtungen.

    In ruhigen, beobachtenden Bildern und offenen Interviews erzählt Filippa Bauer fünf Geschichten dieser zweiten Generation, die zwischen den Kulturen aufgewachsen ist und sich nun einer vielschichtigen Entscheidung stellen muss. Zwischen Deutschland und einer erinnerten Zweitheimat, die es durch den Krieg längst nicht mehr gibt. Zwischen eigenen Prioritäten und der Aufrechterhaltung der Elternträume.

    Was auf den ersten Blick wie eine Dokumentation über ein Nischenthema wirkt, behandelt vor allem durch die feinsinnige und kluge Gesprächsführung die ganz großen Fragen des Lebens: Identität und Zugehörigkeit, Erwartungen und Loyalität, Träumen und Scheitern. Der Titel „Die Statik der Träume“ übermittelt dabei perfekt den Kontrast zwischen den fragilen und manchmal auch vagen Träumen und den unbeweglichen Betonmauern, in denen sie sich manifestieren sollten.

    Filippa Bauer und Volker Wendel im BIS Kino
    Regisseurin Filippa Bauer und Volker Wendel vom BIS-Kino

    Filippa hat uns gestern Abend im BIS-Zentrum in Mönchengladbach besucht und im Anschluss in gemütlicher Runde mit den ZuschauerInnen Fragen beantwortet und Eindrücke ausgetauscht. Vielen Dank für den interessanten Abend!

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  • The Change (Anniversary)

    The Change (Anniversary)

    Die Taylors sind eine amerikanische Bilderbuchfamilie: wohlhabend, gebildet, sozial verwurzelt und liebevoll im Umgang miteinander. Diese Fassade bekommt Risse, als Sohn Josh bei der Feier zum 25. Hochzeitstag der Eltern seine neue Freundin Liz mitbringt. Mutter Ellen erkennt in der auffallend kühlen jungen Frau eine ehemalige Studentin wieder, die ihr vor Jahren in ihrem Seminar mit radikalen, antidemokratischen Thesen aufgefallen war. Inzwischen hat sie einen Bestseller mit dem Titel „The Change“ veröffentlicht, den sie selbst als „Anleitung für eine neue Weltordnung“ versteht.

    The Change erzählt vom kontinuierlichen Zerfall des demokratischen Staates, gespiegelt im Inneren der scheinbar glücklichen Familie. Was zunächst wie ein persönliches Drama wirkt, entfaltet sich zunehmend als gesellschaftliches Verhängnis: Macht- und Deutungsverschiebungen, Schweigen, Anpassung und Angst greifen ineinander und erschüttern die bis dahin stabilen Beziehungen.

    Der Film zeigt diesen Prozess mit großer Eindringlichkeit und ohne erklärenden Überbau. Gerade im familiären Mikrokosmos wird erfahrbar, wie demokratische Prinzipien erodieren können. Nicht durch einen plötzlichen Bruch, sondern durch kleine, scheinbar unauffällige Schritte. Als Zuschauer sieht man ohnmächtig zu, genau wissend, wohin das alles führen wird. Diese Kombination aus Erkenntnis und Ausgeliefertsein macht den Film zu einem beklemmenden Horrortrip, der durch die Aktualität des Themas auch nach dem Abspann keine Erlösung erfährt.

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  • A real Pain

    A real Pain

    A Real Pain begleitet zwei ungleiche Cousins, die sich nach dem Tod ihrer jüdischen Großmutter von New York aus auf eine Reise nach Polen begeben. Anfangs ein familiärer Erinnerungstrip, entwickelt sie sich zunehmend zu einer Konfrontation mit den historisch-familiären Wunden. Der Film behandelt Trauer, Schuld, Identität und Menschlichkeit, ohne dabei je pathetisch zu werden.

    Jesse Eisenberg und Kieran Culkin bilden dabei ein perfekt abgestimmtes Duo: Eisenberg spielt seine Figur kontrolliert, angespannt und oft innerlich überfordert, während Culkin mit scheinbarer Lässigkeit und brüchigem Charme emotionale Tiefe erzeugt. Gerade im Zusammenspiel entfaltet sich eine subtile Komik, die das schwere Thema aber nie verharmlost. Der Humor ist leise und verstärkt so die emotionale Wirkung. Ein kluger, berührender Film, dem perfekt gelungen ist, was Treasure vergeblich versucht hat.