Grüner Bundesparteitag in Freiburg

Uff. Wir sind wieder da. In Grüner Mission* unterwegs zu sein, kann ganz schön anstrengend sein. Am Freitag Morgen ging es los, fünf Stunden Zug fahren, Gepäck zum Hotel schleppen, zur Halle laufen, zuhören, klatschen, kritisch beäugen, zuhören, abstimmen, klatschen, freuen, ärgern, spät zum Hotel zurück, spät schlafen, früh wieder raus und das gleiche von vorn. Am Samstag ging es bis halb zwölf, also fast 15 Stunden. Man darf ruhig mal rausgehen zwischendurch, aber es ist auch alles ziemlich spannend und ich wollte auch keine Abstimmung verpassen. Zumal es mein erstes Mal dort war, jedenfalls als Delegierte.

Es fühlt sich schon toll an, dort an seinem Platz zu sitzen, umringt von ARD, ZDF, RTL und Phoenix. Ab und zu laufen Cem Özdemir, Claudia Roth, Jürgen Trittin oder Renate Künast vorbei und immer wieder ist die eigene Stimme gefragt, ob es um ökologische Landwirtschaft, die Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten oder Münchens Olympia-Bewerbung geht. Letztere hat ja für einigen Aufruhr gesorgt, denn der Bundesvorstand, allen voran Claudia Roth, ist dafür, dass wir bei der Bewerbung mitmischen, um die Spiele so ökologisch verträglich wie möglich zu machen. Das haben einige Grüne aber anders gesehen und einen Antrag gegen die Bewerbung gestellt, der dann abgestimmt wurde. Es gab zwei Pro- und zwei Contra-Reden und jedes Mal eine Menge Beifall, so dass bis zur Abstimmung nicht klar war, wie entschieden werden würde. Es reichte auch nicht, das Handzeichen mit der Stimmkarte zu geben und auch mit Aufstehen war es noch nicht klar genug, so dass tatsächlich mit Zetteln gewählt und ausgezählt werden musste (die einzige Abstimmung des Wochenendes, bei der das so war). Am Ende war es ziemlich knapp. 289 gegen Olympia, 244 dafür, 70 haben sich enthalten. Ich zum Beispiel, denn das Thema war mir auf die Schnelle zu komplex und ich konnte beide Seiten gut verstehen. Der Spiegel schreibt trotzdem, das ganze sei mit klarer Mehrheit entschieden worden. Nunja.

Seitdem ich durch die Grünen an solchen Ereignissen von großem öffentlichem Interesse teilnehmen kann, ist mir ohnehin aufgefallen, dass es stimmt: Glaube nie, was in der Zeitung steht. Höchstens in der taz und bei bestimmten ostfriesischen Artikeln 😉 Der Christdemokratischen Rheinischen Post kann ich eigentlich nur Böswilligkeit unterstellen, wie sie regelmäßig die Fakten der Mönchengladbacher Kommunalpolitik verdreht und die Spiegel-Leute scheinen irgendwie auch immer auf anderen Veranstaltungen gewesen zu sein als ich. Da wird von Tumult geschrieben, wenn drei Leute je einmal „Buuh“ rufen, Sätze werden aus dem Zusammenhang gerissen und mit dem gegenteiligen Sinn „zitiert“ und ich selbst wurde ja mal glatt unterschlagen, indem sie 2008 schrieben, dass keiner von der LDK in Hagen gebloggt hat, obwohl meine vielen Blogbeiträge von der Homepage des Parteitags direkt erreichbar waren. Das ist sogar mit das spannendste, am nächsten Morgen zu schauen, was die Medien so schreiben. Und in den meisten Fällen musste ich den Kopf schütteln.

Auf jeden Fall hat es Spaß gemacht, auch wenn die Rückfahrt lang und doof war und wir nicht genug Schlaf für ein Wochenende abbekommen haben. Ich möchte diesen „Job“ gerne weiter machen, aber dafür muss ich auch nächstes Jahr erst mal wiedergewählt werden.

Grüne BDK in Freiburg
Perfekter Überblick von der NRW-Ecke aus

 

Grüne BDK in Freiburg
Gut gefüllte Fan-Sammelmappe. Mit taz-Aufklebern und Cem-Autogrammkarte

Übrigens… So ganz am Rande des Messegeländes, mitten im Industriegebiet und in der Einflugschneise vom Flugplatz befindet sich ein Containerdorf, vermutlich ein Wohnlager für Asylsuchende oder etwas in der Art. Das war nicht schön anzusehen und erinnerte mich immer wieder daran, wofür wir zum Beispiel kämpfen…

Freiburg

* Ich bin Bundesdelegierte für den Kreisverband Mönchengladbach, darf also zusammen mit einem Mit-Grünen auf den Bundesparteitagen über Kandidaten, Parteiprogramme und Fragen, wie die Grünen zu diesem oder jenem Thema stehen, abstimmen.