Don’t trust the Stranger?

Ein unglaublich netter Mann Anfang 50, nennen wir ihn mal Herrn D., hat gestern Mittag in Wickrath in einer Bäckerei Mittagspause gemacht und ein Croissant gegessen. Da die Bäckerei neben einem Discounter liegt, konnte er beobachten, wie ein Mann mit seiner ca. 8-jährigen Tochter versucht hat, ein riesiges Paket Trampolin in einen nicht so riesigen Fahrrad-Anhänger zu wuchten und damit davon zu fahren. Herr D. war skeptisch und hoffte, dass die beiden nicht allzu weit weg wohnen.

Als Herr D. nach zehn Minuten sein Mittagessen aufgegessen hatte und mit dem Auto wieder zurück zur Arbeit fuhr, sah er ein paar hundert Meter weiter, wie der Mann seinen Fahrradreifen aufpumpte. Das Trampolin-Paket war tatsächlich viel zu schwer.

Und weil er so nett ist, hielt Herr D. an und bot dem Mann an, das Trampolin zu ihm nach Hause zu fahren. Weil sich das mit dem Fahrrad sonst schwierig gestaltet hätte, fragte er, ob die kleine Tochter auch mitnehmen soll. Zur Verwunderung von Herrn D. willigte der Mann ein und die Tochter, nennen wir sie M., hüpfte fröhlich in Herrn D.’s Auto. Während der Fahrt erzählte sie fröhlich aus der Schule und von ihrer Familie. Zu Hause angekommen, half Herr D. noch, das Trampolin in den Garten zu tragen. Alle verabschiedeten sich fröhlich, die kleine M. nahm Herrn D. an die Hand, brachte ihn zum Auto und gab ihm zum Dank ein Küsschen auf die Wange.

Ich würde meine Tochter niemals mit einem fremden Mann wegfahren lassen. Ich würde wahrscheinlich nicht mal jemandem mein Trampolin mitgeben. Und während ich das hier geschrieben habe, kamen mir lauter fiese Gedanken, was in einer anderen Konstellation von Menschen hätte passieren können.

Ist das nicht traurig? Wir könnten in einer wundervollen Welt leben, wenn die Menschen nicht so wären, wie sie sind…

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3 thoughts on “Don’t trust the Stranger?”

  1. Ja, früher war alles anders: wir Kinder sind noch mit dem Radl durch die Stadt gegurkt, sind daheim aufgetaucht wenn es dunkel wurde – und wir hatten nicht einmal die „20 Pfennige zum Telefonieren“, denn es gab daheim kein Telefon, welches wir hätten anrufen können.

    Heut würd ich nicht mehr so sorglos sein können, man macht sich einfach zu sehr Gedanken. Aber ist die Welt wirklich so schlecht oder wir alle nur so paranoid?

    Wenn ich dran denk, wie ich mir auf dem Spielplatz den Schädel aufgeschlagen hab (welches Kind hatte das nicht: „Loch im Kopf“ – ok, meist war es ja eh nur eine fiese Platzwunde), mit dem Radl ein Garagentor gerammt und mir dabei die halbe Hand aufgerissen hab, wie wir abends die Milch vom Pausenhof stibitzen, später unsere Mopeds frisiert haben, mit 16 das erste Mal allein für ein paar Wochen auf dem Jugendzeltplatz gewohnt haben, heimlich rauchten, Kleinkram in Geschäften klauten, in Schrebergärten Äpfel, Birnen und Kirschen stahlen und mehrmals von den wütenden Gärtnern verfolgt wurden, in „Baden verboten!“-Tümpel kopfüber reingehechtet sind, aus Ästen Holzstecken gebaut und damit Kung-Fu gespielt habnen… Wenn wir soviel Scheisse bauen konnten und dennoch überlebten, sollte man eigentlich heutzutage nicht soviel Angst haben und den eigenen Kindern auch die Möglichkeit einräumen, den gleichen Blödsinn zu machen 🙂

  2. der von dir geschilderte fall zeigt was wirklich schief laeuft. kindesmissbrauch gab es auch schon vor 30 jahren. da hatte man jedoch noch keine angst die kinder vor die tuer zu schicken oder kurz jemanden anzuvertrauen. ich wuerde sogar unterstellen, das es heute genauso viel nette menschen, welche hilfsbereit sind gibt wie frueher. genau wie es heute nicht mehr kriminelle gibt. nur leider wird immer wieder durch mediale kampangen der ruf der menschen in den dreck gezogen. siehe migranten. wie oft hoert man von suedlaendischen taetern. und schon haben alte damen angst, durch die strassen zu gehen und fuerchten sich vor jedem tuerken. das die chance opfer eines deutschen taeters zu werden aber weit hoeher ist… das wird darueber gern vergessen, es sind ja immer die boesen auslaender. zumindest wenn man der presse glauben darf. es ist alles einer veraenderten wahrnehmung geschuldet. leider verschanzen wir uns immer mehr hinter unseren vorurteilen und sehen dann jede bestaetigung, mag sie noch so klein sein, als den ultimativen beweis.

    und genau da faengt es an problematisch zu werden.

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