Eine Familie auf dem Heimweg fährt auf einsamer dunkler Straße einen Hund an und bittet in einer nahegelegenen Werkstatt um Hilfe. Vahid, der gerade im Obergeschoss zu tun hat, erstarrt, als er den Mann unten herumgehen hört. Als das Auto notdüftig repariert ist, folgt Vahid der Familie nach Hause und harrt die ganze Nacht dort aus. Am nächsten Morgen folgt er dem Mann und entführt ihn, denn Vahid vermutet, dass es sich um Eghbal handelt, der ihn und eine Gruppe anderer vor einigen Jahren im Gefängnis gefoltert hat. Bevor er den Mann lebendig vergräbt, möchte er dann aber doch hundertprozentig sicher sein, dass er sich nicht geirrt hat. Also macht er sich auf, die anderen zu kontaktieren und um Hilfe bei der Identifizierung zu bitten.
In den ersten Szenen ist völlig unklar, wohin sich die Geschichte entwickelt. So macht man sich zunächst eher Sorgen um die Familie und hält Vahid für durchgedreht und gefährlich. Dies finde ich äußerst clever, weil es sofort am Anfang widerspiegelt, was bei allen totalitären Regimen kaum fassbar ist: Sie sind auf die scheinbar ganz normalen Menschen als Handlanger angewiesen und haben offensichtlich nie Probleme, sie zu finden.




Als Vahid im weiteren Verlauf des Films versucht, seine damaligen Mitgefangenen aufzuspüren und ihnen die zugegegebenermaßen etwas unausgegorene Lage präsentiert, stößt er nicht unbedingt auf Begeisterung. Sie alle haben ihre individuellen Strategien, mit der Vergangenheit umzugehen und ihre eigenen Ansichten zu Schuld, Vergeltung und Vergebung. Es entwickelt sich eine chaotische Stadtrundfahrt, in der wir auch einige Details des iranischen Alltagslebens erfahren, wie z.B. dass Frauen durchaus unverschleiert in der Öffentlichkeit zu sehen sind und man immer eine Bankkarte für eine kleine „Spende“ parat haben sollte (hier haben die vielen Iraner*innen im Publikum wissend gelacht).
Anfangs war ich etwas irritiert über das teils fast klamaukige Chaos, weil ich einen sehr ernsten Film erwartet hatte. Aber wäre es nicht auch völlig unrealistisch, Unordnung und Humor wegzulassen? Wenn ich eins aus den mittlerweile doch einigen iranischen Filmen gelernt habe, dann dass die Menschen dort trotz der extrem widrigen Lebensbedingungen nicht aufgeben und ihren Humor nicht verlieren. Ob das allerdings bei den schrecklichen aktuellen Ereignissen immer noch gilt, ist schwierig zu sagen. Der Film jedenfalls ist absolut sehenswert, großartig gespielt und politisch enorm wichtig.

Ein einfacher Unfall
| Regie | Jafar Panahi |
| Besetzung | Vahid Mosbasheri, Ebrahim Azizi, Mariam Afshari, Hadis Pakbaten, Majid Panahi, Mohamad Ale Elyasmehr |
| Produktionsland | Iran, Frankreich, Luxemburg |
| Produktionsjahr | 2025 |
| Genre | Drama, Komödie |
| Schauspiel | ⭐⭐⭐⭐ |
| Inszenierung | ⭐⭐⭐⭐ |
| Anspruch | ⭐⭐⭐⭐ |
| Sogwirkung | ⭐⭐⭐⭐ |

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