Ellbogen von Fatma Aydemir

Ellbogen von Fatma Aydemir Ellbogen von Fatma Aydemir war so ein Buch, das ich sofort lesen wollte, nachdem ich es gesehen habe. Durch den Stapel auf dem Nachttisch dauert es allerdings immer ein bisschen, bis es dann soweit ist. In dieser Zeit habe ich viel Gutes und viel Schlechtes gehört, war also sehr gespannt.

Worum geht es in Ellbogen?

Hazal, die Protagonistin, ist eine wütende, enttäuschte junge Frau. Enttäuscht vor allem von ihrem Leben als „Türkisch-Deutsche“, den alltäglichen Diskriminierungen und der Chancenlosigkeit, die sie in ihrem Leben erlebt. Dementsprechend teilt sie nach allen Seiten aus. Sie hasst die Deutschen, hasst die Flüchtlinge, hasst ihre Eltern, aber vor allem sich selbst. Ohne berufliche oder anderweitige Zukunftsperspektive lässt sie sich durch ihr Leben treiben und gerät schließlich in eine Situation, in der sich ihre ganze Frustration auf schreckliche Weise entlädt.

Das Buch spielt in Berlin und in Istanbul und nimmt sehr viel Bezug auf aktuelle politische und gesellschaftliche Ereignisse, was mir gut gefallen hat. Im letzten Teil wirkt es leider etwas hastig und oberflächlich. Zudem hat es ein offenes Ende, das mich eher ratlos zurückließ.

Mein Fazit

Ich sehe ein wenig die Gefahr, dass LeserInnen hier ein Vorurteil vom aggressiven, integrationsunwilligen Migranten bestätigt sehen, da Hazal sich so extrem und teilweise klischeehaft verhält. Obwohl schon deutlich wird, dass dies die Folge lebenslanger Enttäuschungen und Widrigkeiten ist, hätte man dies vielleicht etwas deutlicher herausarbeiten können. Ihre Freundinnen, die alle sehr verschieden sind, brechen dies zum Glück etwas auf.

Als „Deutsch-Deutsche“ fand ich es sehr schlimm so eindrücklich zu lesen, wie schrecklich es sich hier teilweise anfühlt, wenn man nicht zur privilegierten Mehrheitsgesellschaft gehört. Das ist natürlich nicht überraschend, aber in dieser Deutlichkeit bekommt man es selten um die Ohren gehauen. Jedenfalls nicht, wenn man nicht aktiv danach sucht. Ich finde es daher, trotz der teilweisen Klischeehaftigkeit, ein sehr wichtiges Buch und kann es definitiv empfehlen.

Fatma Aydemir hat übrigens auch einen Twitter-Account.

Bei amazon gibt es weitere Infos, das Buch gibt es beim freundlichen Buchladen um die Ecke 🙂