Europa, die Festung

Letztens habe ich einen sehr ergreifenden Artikel in der taz gelesen:

Georges‘ Odyssee durch Afrika

Dort beschrieben wird die über einjährige „Reise“ eines Kameruners, der nach Europa wollte, um vor den Unruhen zu fliehen, bei denen bereits 100 Jugendliche von der Regierung getötet worden waren. Ein Jahr lang war er unterwegs und hat teilweise Schreckliches erlebt. Vor allem – und das ist wahrscheinlich DAS Problem der Menschheit – wie sich Einzelne und Gruppen die aussichtslose Lage anderer zu Nutze machen und diese bestehlen, ausbeuten, misshandeln oder sogar umbringen.

So lange ich dieses Thema auch drehe und wende in meinem Kopf, zu einem endgültigen Schluss komme ich nicht. Mir fehlen einfach die Informationen, aber eins ist klar: So wie es jetzt läuft, ist es schrecklich.

Meiner Meinung nach liegt es klar auf der Hand, dass es nicht nur für uns eine Selbstverständlichkeit sein sollte, dass man überall leben kann, wo man möchte. Wenn ich jetzt nach Nepal, Costa Rica oder Australien ziehen möchte, werde ich wohl kaum beim Versuch, dorthin zu gelangen von der Polizei aufgegriffen und in ein Flüchtlingsgefängnis in einem Land gebracht, das weder die Genfer Flüchtlingskonventionen unterschrieben hat, noch anscheinend in der Lage oder Willens ist, die Menschen würdig zu versorgen. Bei den Menschen, die im Mittelmeer von italienischen oder libyschen „Gesetzeshütern“ aufgegriffen werden, wird ja nicht einmal geprüft, ob ein Asyverfahren eingeleitet werden sollte.

Das ist alles pure Anmaßung – wir müssen unseren Wohlstand verteidigen, wir müssen uns vor „denen“ schützen. Die Welt war ursprünglich mal für alle da, bevor einige Wenige sie eingeteilt haben und wir hier uns dann glücklich schätzen konnten, nicht dort, sondern hier geboren zu sein.

Ich kann bestimmt keine Lösung aus dem Ärmel schütteln, bei mir können die nicht alle wohnen und ich kann ihnen weder dauerhaft Essen und Trinken, noch einen Job besorgen. Aber vielleicht sollten wir mal ein bisschen weniger Waffen liefern, ein bisschen weniger poltisch-taktisch die Gelder fließen lassen, ein bisschen weniger glauben, dass die Bewohner des afrikanischen Kontinents alle ungebildete und unqualifizierte soziale Störenfriede sind. Vielleicht sollten die Menschen, die zugucken und mitmachen und Geld scheffeln bei der Unterdrückung, Ermordung und Zerstörung mal ein bisschen schlechter schlafen.

Ich konnte es nämlich nicht mehr, nachdem ich den Artikel gelesen habe…

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