Hamnet

Agnes hat einen Falken als Haustier, kennt die Namen und Wirkweisen aller Kräuter und fühlt sich im Wald wohler als im bürgerlichen Haus. Diese Eigenwilligkeit gepaart mit der Tatsache, dass ihre leibliche Mutter nur noch in alten Geschichten weiterlebt, hat ihren Ruf im Dorf besiegelt. Doch die „Tochter der Waldhexe“ lässt sich in ihrer ungezähmten Lebensführung nicht beirren, was ihr wiederum die Bewunderung des Handschuhmacher-Sohns einbringt. Dieser hört auf den Namen William Shakespeare und ist ein Mann der Worte – allerdings so gar nicht in dem Moment, in dem er zum ersten Mal vor Agnes steht. Doch die beiden finden zu einer außergewöhnlichen Beziehung zusammen, in der sie einander in die Seele schauen und sich gegenseitig in ihrer Einzigartigkeit aufleben lassen – selbst wenn dies bedeutet, dass ein ruhiges, inniges Familienleben mit den drei gemeinsamen Kindern unmöglich ist. Als ein tragisches Ereignis ihr Leben erschüttert, muss sich zeigen, wie weit Liebe und Verständnis die räumliche und seelische Distanz überwinden können.

Jessie Buckley spielt sich um Verstand, Körper und Seele und hinterlässt damit einen tiefen Abdruck in den Herzen des Publikums. Allerdings stehen ihr da Paul Mescal und die Kinder (Jacobi Jupe hat mein Herz gebrochen!) kaum in etwas nach. Die Kostüme, die Kulissen, die Landschaft, die Musik… all dies entführt in eine Traumwelt, in der wir Leben, Liebe, Tod und Erlösung schmerzhaft mitfühlen können. Ergebnis: Um mich herum und aus mir heraus schluchzte es abwechselnd aus Erschütterung, Rührung und Erleichterung.

Die unbeirrbare, universelle Liebe von Agnes, Williams tieftraurige Poetenseele und die weise Tapferkeit des kleinen Hamnet bilden ein herausragendes Spektrum an Persönlichkeiten. Und in all ihrer Unterschiedlichkeit fügen diese sich zur Erlösung zusammen, die – wie sollte es anders sein – im Theater passiert, dem einzigen Ort, an dem William seine bleischweren Gefühle in Worte fassen kann und so unzähligen Menschen die Möglichkeit gibt, ebenfalls ihre ganz eigene Erlösung zu finden, statt in den Untiefen des Lebens unterzugehen.

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