Gestern Nachmittag in Köln – genauer gesagt im von mir sehr geliebten Kino Lichtspiele Kalk – war ich mit einer Freundin beim1. Afghanistan Frauenfilmfestival:

„Unter dem Motto „Erste und Letzte“ beleuchtet das Festival eine besondere Ära der afghanischen Filmgeschichte – die Zeit der Republik – aus der Perspektive von Regisseurinnen, die mit ihren Werken mutig, kreativ und eindrucksvoll Geschichte geschrieben haben.“
Für uns stand „Hava, Maryam, Ayesha“ auf dem Programm. Vor und nach der Vorstellung gab es die Gelegenheit, die Regisseurin des Films Sahraa Karimi sowie Benazir Poya, die Leiterin der Anar Academy*, kennenzulernen.
Sahraa Karimi ist die einzige promovierte Filmwissenschaftlerin Afghanistans sowie ehemalige Leiterin des Instituts Afghan Film. Eine wirklich beeindruckende Frau, die trotz großer Widerstände diesen wichtigen und mutigen Film in Afghanistan verwirklicht hat.
Im Q&A hat sie einiges über ihren Werdegang und die Dreharbeiten erzählt, aber auch deutlich gemacht, welchen Problemen afghanische Frauen gegenüberstanden. Seitdem die Taliban wieder an der Macht sind, ist die Situation natürlich vollkommen untragbar und lebensgefährlich geworden.
Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir Sahraa Karimis eindringlicher Appell, die afghanischen und auch alle anderen Frauen, die extrem schwierigen Bedingungen leben müssen, dennoch als psychologisch komplexe Individuen wahrzunehmen. Denn die Menschen in der westlichen Welt neigten dazu, den Frauen, die in Armut, Unterdrückung und Krieg leben, keine tiefgründigeren Probleme und Lebensfragen zuzugestehen als die Ernährung und Sicherheit der Familie. Hier habe ich mich zugegebenermaßen etwas ertappt gefühlt, denn ich habe unbewusst wohl auch gedacht, dass in solch prekären Umständen kaum Platz für Identitätskrisen, Beziehungsprobleme und Selbstverwirklichung ist. Natürlich ist das Unsinn, wie der Film auch deutlich zeigt.
Der Film erzählt von drei afghanischen Frauen in Kabul, die in sehr unterschiedlichen sozialen Verhältnissen leben. Alle drei stehen an einem Scheideweg in ihrem Leben.
Hava lebt mit ihrem Mann bei ihren Schwiegereltern. Es herrscht eine strenge Ordnung, durch die sie trotz ihrer Schwangerschaft sämtliche Arbeiten im Haushalt sowie die Versorgung der alten Leute übernehmen muss
Die erfolgreiche Maryam arbeitet beim Fernsehen, ist in ihrer Ehe jedoch unglücklich, weil ihr Mann sie betrügt und muss sich mit der schwierigen Entscheidung befassen, ihn zu verlassen.
Ayesha, ein junges Mädchen steht kurz vor der arrangierten Hochzeit mit ihrem Cousin. Der Mann, den sie eigentlich liebt und von dem sie schwanger ist, hat sie verlassen.
Keine der drei kann aufgrund der strengen Gesellschaftsnormen Hilfe von außen erwarten.
| Regie | Sahraa Karimi |
| Besetzung | Arezoo Ariapoor, Fereshta Afshar, Hasiba Ebrahimi |
| Produktionsland | Afghanistan / Frankreich |
| Produktionsjahr | 2019 |
| Genre | Drama |
| Schauspiel | ⭐⭐⭐⭐ |
| Inszenierung | ⭐⭐⭐⭐ |
| Anspruch | ⭐⭐⭐⭐ |
| Sogwirkung | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
Allein schon wegen der wichtigen Botschaft ist der Film sehenswert. Aber auch unabhängig davon sind alle drei Episoden sehr gelungen und überzeugend gespielt und vermitteln deutlich, aber unaufgeregt das alltägliche Leben der Frauen in Afghanistan.
* die Anar Academy ist eine NGO in Köln, die es afghanischen Mädchen möglich macht, online zu lernen und zu studieren.
Fotos: Kerstin Dreßen sowie offizielles Filmplakat


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