Heimkehren von Yaa Gyasi

Heimkehren - Yaa GyasiIm Zuge meines Read-around-the-World-Projekts habe ich festgestellt, dass mir Literatur, die sich mit der Wirklichkeit abseits meines persönlichen Horizonts beschäftigt, mittlerweile deutlich besser gefällt. Daher lese ich mittlerweile nicht mehr das zehnte Buch des hundertsten weißen Schriftstellers, das sich mit Liebe, Sex, Karriere oder Drogen in Deutschland oder den USA befasst.

Als ich von „Heimkehren“ von Yaa Gyasi gehört habe, wollte ich es natürlich sofort lesen bzw. hören. Es versprach nämlich die Geschichte und die Perspektive von vierzehn verschiedenen Personen aus mehreren Jahrhunderten. Mehr Einblick in andere Welten und Wirklichkeiten in einem Buch geht kaum. Ich habe mich für das Hörbuch entschieden, weil ich es spannend fand, dass es von so vielen verschiedenen Sprechern gelesen wurde.

Worum geht es in „Heimkehren“?

Das Buch spielt in Ghana und den in den USA und beginnt im 18. Jahrhundert. Effia und Esi sind Halbschwestern, die sich jedoch aufgrund bestimmter Ereignisse und Entscheidungen ihrer Familien nie begegnen. Ihre beiden Leben könnten kaum unterschiedlicher verlaufen. Effia wird mit einem weißen Engländer verheiratet und lebt ein Leben mit vielen materiellen Annehmlichkeiten. Ihre Halbschwester Esi wird wie Millionen andere AfrikanerInnen auf einem Schiff nach Amerika verschleppt, um in den Südstaaten auf Baumwoll-Plantagen Sklavenarbeit zu leisten.

Das Buch ist in vierzehn Kapitel eingeteilt, in denen man jeweils Einblicke in das Leben einer bestimmten Person erhält. Angefangen bei Effia und Esi folgen zwölf ihrer Nachkommen, deren persönliche Geschichten unterschiedlichster Art sich bis in die heutige Zeit entwickeln. Ein wirklich interessanter und spannender Aufbau, wie ich finde.

Worum geht es wirklich?

Um Identität, um Familie, um Lebensentscheidungen und Zugehörigkeit. Um die Geschichte der Kolonialisierung von Afrika und des Sklavenhandels. Um all die Grausamkeiten, die im Laufe der Jahrhunderte von Weißen verübt wurden und noch werden, aber auch um gegenseitige Grausamkeiten, die Schwarze an anderen Schwarzen verübt haben.

Mein Fazit

Wie auch bei Underground Railroad, das ich vor einiger Zeit gelesen habe, erfährt man hier sehr viel über die Geschichte der Kolonialisierung und den Sklavenhandel, aber auch über die etwas neuere Geschichte der Schwarzen in den USA. Meiner Meinung nach kann man gerade als Weiße(r) gar nicht ausführlich und drastisch genug davon lesen, wie die Weißen die Schwarzen in der Geschichte behandelt haben und immer noch behandeln. Was ich darüber in der Schule gelernt habe, hat mir nicht im Ansatz vermittelt, was für systematische Gräueltaten dort verübt wurden. Nach einigen Büchern bekomme ich erst so langsam ein Gefühl für das gesamte Ausmaß und auch die Auswirkungen auf die heutige Zeit, in der viele Menschen z.B. nicht einmal wissen, aus welchem Land ihre Vorfahren stammen, weil sie bereits als Kinder verschleppt und von ihren Familien getrennt wurden.

Die einzelnen Geschichten sind sehr lebendig geschrieben, was es teilweise schwer zu ertragen macht, denn es passieren wirklich schlimme Dinge. Dieses Buch wird mir sicher noch länger im Gedächtnis bleiben.

Bei amazon gibt es weitere Infos, das (Hör-)Buch gibt es beim freundlichen Buchladen um die Ecke 🙂

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