Ich, Eleanor Oliphant von Gail Honeyman

Ich, Eleanor OliphantNachdem ich mich durch mein letztes Hörbuch „Heute wär ich mir lieber nicht begegnet“ von Hertha Müller eher gequält habe, wollte ich als nächstes gerne eins hören, dass Spaß macht und sich flockig hören lässt. In „Ich, Eleanor Oliphant“ glaubte ich, das richtige gefunden zu haben.

Achtung: Die Rezension enthält Spoiler!

Worum geht es in „Ich, Eleanor Oliphant“?

Eleanor ist eine Frau um die 30, die in Glasgow lebt. Sie ist „etwas anders“ als die anderen. Bei der Arbeit ist sie sehr fleißig und gewissenhaft, verbringt ihre Mittagspause aber immer allein und löst Kreuzworträtsel. Auch am Wochenende ist sie allein, trinkt Wodka und hört Dokumentationen im Radio. Ihr Alltag ist straff durchstrukturiert und duldet keine Störungen. Was beginnt wie eine amüsante Mischung aus Sheldon und Bridget Jones, zieht einem dann plötzlich etwas den Boden unter den Füßen weg. Denn ihr Verhalten hat natürlich einen Grund und der ist gar nicht schön. Was sich dort an psychologischen Abgründen und schrecklichen Geschichten aus ihrer Kindheit auftut, ist nichts für sensible Seelen, würde ich sagen.

Worum geht es wirklich?

Es geht um Einsamkeit und psychische Krankheiten, deren Ursachen und Heilungsmöglichkeiten. Um elterliches Versagen und menschliche Beziehungen, ohne die kein Mensch auskommt, auch wenn er es sich noch so fest einredet. Um Heilung durch Akzeptanz der eigenen Geschichte und Persönlichkeit und Öffnung gegenüber anderen Menschen.

Mein Fazit

Am Anfang dachte ich, Eleanor ist total unsympathisch und war schon enttäuscht. Aber dann habe ich sie mehr und mehr geliebt. Das lag unter anderem auch daran, wie toll Laura Maire sie gelesen hat. Die unglaubliche Entrüstung, die sie Eleanor in die Stimme gelegt hat, hat mich mehr als einmal laut lachen lassen („Gol-de-ne Schu-he!!!“). Aber ich will es nicht leugnen, auch ein paar Tränen habe ich verdrückt, denn teilweise war das ganz schön harter Tobak. Insgesamt ist es eine anrührende und packende Geschichte, die leider nicht ohne ein paar doofe Klischees über psychisch kranke Menschen auskommt. Auch ein paar logische Ungereimtheiten meine ich entdeckt zu haben. Gegen Ende ging mir das auch alles etwas zu schnell mit Eleanors Fortschritten, so als sollte noch schnell ein Happy-End erzwungen werden. Ein hoffnungsvoller, aber noch offener Ausblick auf ihre Zukunft hätte mir besser gefallen und meiner Meinung nach auch besser zur Story gepasst. Aber insgesamt doch sehr lesens- bzw. hörenswert und watt fürs Herz 😉

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