In Grüner Sondermission

Grüne BDK in BerlinAls mich letztens die Nachricht erreichte, dass die Grünen eine Sonder-BDK (Bundesdelegiertenkonferenz = Parteitag) zum Atomausstieg einberufen, dachte ich zuerst „Och nee… Ich will nicht nach Berlin. Wozu das denn? Ist doch doof!“ Aber die Pflicht ruft, ich bin genau dazu gewählt worden und nach und nach habe ich mich dann mit dem Gedanken angefreundet. Dass der Mate als Ersatz-Delegierter auch mitkommen „musste“, weil der andere Delegierte nicht konnte – huch – das war jetzt auch nicht so schlimm 😉

Also haben wir uns am Freitag aufgemacht, durch die Republik zu fahren, um unsere Mönchengladbacher Meinung per Stimmkarte kundzutun. Und das war ein bisschen verzwickt. Angie und ihre schwarz-gelben Konsorten wollen plötzlich den Atomausstieg beschließen. Der ja vor nicht allzu langer Zeit noch völliger Quatsch war. Ein Schelm, wer Wahltaktisches dabei denkt. Nun ja, die Sache an sich ist jedenfalls prima, die genau Ausführung aus Grüner Sicht eher suboptimal. So laufen die AKW nach Plan Angie nicht nur unterm Strich länger als beim ursprünglichen rot-grünen Ausstieg, es wird auch nicht dafür gesorgt, dass gleichzeitig die erneuerbaren Energien so ausgebaut werden, dass keine klimaschädlichen Kraftwerke den fehlenden Atomstrom ersetzen müssen. Ebenso gibt es immer noch massive Sicherheitsmängel, die irgendwie mal behoben werden sollten, schließlich ist bis 2022 noch ein bisschen Zeit, in der leider eine Menge passieren könnte. Gorleben und die Asse strahlen vor sich hin und werden weiter erkundet und befüllt und in Gronau und Lingen werden fröhlich Brennstäbe produziert, während mit deutscher Firmenbeteiligung und deutschen Bürgschaften anderswo neue AKW gebaut werden. Wie gesagt, suboptimal und ebenso inkonsequent. Weswegen auch aus diversen Ecken (Anti-Atom-Bewegungen, Campact, der BUND, Greenpeace) der erhobene Zeigefinger kam: „Wehe, ihr Grünen stimmt da zu!“

Aber was tun? Sollen die Grünen dem Atomausstieg etwa NICHT zustimmen? Absurder geht es kaum, denn die Grünen sind ja genau aus der Anti-Atom-Bewegung entstanden. Aus Medien und E-Mail-Verteilern ließ sich ein ungefähres 50/50 ableiten, wir in Mönchengladbach haben uns jedenfalls nach eingehender Beratung fast einstimmig dagegen entschieden, dem Gesamtpaket zuzustimmen. Natürlich sind wir FÜR den Ausstieg und die Rücknahme der Laufzeitverlängerung. Natürlich sind wir auch FÜR die sofortige Abschaltung der ältesten Kraftwerke. Aber unter den Rest unsere Grüne Unterschrift setzen… Schwierig…

Auf der BDK selbst wurden dann in beide Richtungen gute und teils richtig mitreißende Appelle an die Delegierten gerichtet und man konnte zwischendurch nicht sagen, wie es nachher ausgeht. Als Ströbele gegen die Zustimmung sprach, bekam er Standing Ovations und ich eine Gänsehaut. Bei der endgültigen Abstimmung zeigte sich dann doch die „vernünftig-realistische“ Meinung mit ca. 60/40 – die Grünen sollen am 30.06. im Bundestag zustimmen. Natürlich nicht, ohne die Kritikpunkte anzubringen und die Ankündigung zu machen, bei Regierungsbeteiligung nach der nächsten Wahl mehr herauszuholen.

Ich persönlich kann damit ganz gut leben, auch wenn ich anders abgestimmt habe. Was ein bisschen daran liegt, dass Bärbel Höhn uns, nachdem sie uns orientierungslos (wir, nicht sie) am Alexanderplatz aufgegabelt hat – in der S-Bahn zur Messehalle noch einmal ihre Sicht erläutert hat.

Bärbel Höhn in der Bahn
Bärbel Höhn weiß, wo es lang geht

Grüne BDK in Berlin
Ich total konzentriert undso (Foto: Grüne NRW)

Grüne BDK in Berlin
CDU-Pläne entlarvt? 😉

Becks
Nach sechs Stunden Dauer-Politik ham wer uns dit verdient!

Berlin Magdalenenstraße
Gewohnt haben wir tief im Osten…

Ostberlin
Wo die Architektur nicht mit individuellem Charme glänzen kann…

Ostberlin
Und die kulinarischen Highlights auch nicht so.

U-Bahn Berlin
Aber mit der U-Bahn ist man ja ruck zuck in Schöneberg

Schöneberg
Wo es viel Interessantes zu gucken gibt

Nepalesisches Essen
Und man lecker essen kann, z.B. Dal Bhat wie in Katmandu! 🙂