Mensch, du bist gefeuert!

Menschsein und Arbeiten lässt sich scheinbar immer weniger miteinander vereinbaren.

Auf einem Blatt stehen die Chefs, die ihre Mitarbeiter wegen Frikadellen, Maultaschen, Babybetten vom Sperrmüll oder Pfand-Bons entlassen möchten. Mitarbeiter, die jahrelang im Betrieb waren und nun ohne Abmahnung gehen sollen. Mir jedenfalls drängt sich hier ganz klar der Gedanke eines Vorwands auf.

Aber an einer anderen Front – und das finde ich mindestens genauso bedenklich – kämpfen die ganzen „Karriere-Coaches“. Sie empfehlen der arbeitenden Bevölkerung und denen, die gerne dazu gehören möchten, bestimmte Verhaltensweisen entweder an den Tag oder schnellstmöglich abzulegen.

Wir sind keine Menschen mehr heutzutage, wir sind eine perfekt gekleidete Effizienz-Armee mit dem Smartphone auf 24/7-Empfang. Wahlweise auch eine Armee von still gehorsamen Discount-Arbeitern, die für einen lächerlichen Lohn, von dem sie ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können, immer mehr und mehr Aufgaben übernehmen müssen.

Wer einmal an einem Montag Morgen getwittert hat, dass er müde ist, ist für die Wirtschaftswelt künftig untragbar. Keine Lust, dass der Urlaub schon zu Ende ist? Lieber Zeit mit der Familie oder den Freunden verbringen? Wie kann man es nur wagen, so etwas öffentlich zuzugeben? Ein Party-Foto im StudiVZ gehabt? Keine Chance mehr auf einen guten Arbeitsplatz! Frei haben wollen für einen Arzt-Termin? Sie haben wohl den Spirit unseres Unternehmens noch nicht verinnerlicht! Der Mensch hinter dem Arbeitnehmer muss jedenfalls bis zur Unkenntlichkeit verschwinden, sonst wird er sofort in Frage gestellt.

Ich weiß nicht, in wie vielen Betrieben ein Klima von Angst, Druck und Psycho-Terror herrscht. Es müssen eine Menge sein. Selbst, wenn man sich an all diese Regeln hält, hat man keine Garantie, dass alles gut läuft am Arbeitsplatz. Arbeitsbedingte psychische Erkrankungen nehmen immer weiter zu. Ich kenne einen, der musste sich jeden Montag Morgen vor der Arbeit übergeben, weil er so Angst hatte, seinem Chef zur Wochenanfangs-Besprechung gegenüber zu treten. Mittlerweile hat er zum Glück einen anderen Job gefunden. Eine Freundin hat mir erzählt, dass sie gekündigt hat, weil sie die ständige Überwachung (Chipkarte, stündlicher Bildschirm-Scan, Telefoncheck) durch ihre Firma nicht mehr ertragen konnte. Heute Morgen hab ich noch gelesen, dass sich 25 Mitarbeiter der France Telecom sich wegen ihres Jobs umgebracht haben. Und wenn man sich mal die Gesichter der KassiererInnen in den üblich verdächtigen Discountern anschaut, sprüht da auch meist nicht gerade die pure Lebensfreude.

In was für einer Welt leben wir, wenn Menschen so fertig sind von der Sache, mit der sie täglich einen Großteil ihrer Zeit verbringen müssen? Wenn sie ihr gesamtes Leben nach den Profit-Zielen und CI-Regeln ihres Arbeitgebers ausrichten müssen?

Das Ganze ist doch irgendwie mal entstanden, weil der Dorf-Schreiner mehr zu tun hatte, als er alleine schaffen konnte und sich einen Gehilfen gesucht hat, dem er dann etwas von seiner Entlohnung abgegeben hat. Irgendwas hat sich da wohl falsch entwickelt im Laufe der Zeit…

Kommentare sind geschlossen.