Mindestlohn

Nach zwei Wochen schwarz-gelb am Ball ist der Mindestlohn wohl in extremer Gefahr. An großflächige Einführung mag ich vorerst überhaupt nicht mehr glauben, aber auch die Bereiche, in denen er bereits eingeführt wurde, fangen wieder an zu wackeln.

Dabei liegt die Sache für mich einfach und logisch auf der Hand. Das Grundprinzip von Arbeit ist, dass der Mensch damit seinen Lebensunterhalt bestreitet. Warum wurde dies überhaupt jemals in Frage gestellt? Gewisse andere Dinge werden von Unternehmen ja auch nicht angetastet. Wer würde darüber nachdenken, ob ein Dach über der Firma wirklich nötig ist? Ob ein Telefonanschluss nicht irgendwie umgangen werden kann? Ob man wirklich einen Schreibtisch oder einen Computer braucht? Gewisse Dinge sind eben unverzichtbar, für den Unternehmer genauso wie für den Mitarbeiter. Wer Vollzeit arbeitet muss davon leben können (sagt das nicht auch der gelbe Guido?) – und zwar ohne staatliche Zuschüsse. Diese dienen der Gewissensberuhigung des niedrig-zahlenden Unternehmers und verschleiern die eigentliche Sachlage.

Letztens in einer Diskussion zum Thema sagte mir ein Unternehmer: „Stell dir vor, du hast ein Reinigungsunternehmen und musst plötzlich statt 4,00 EUR ab nächsten Monat 7,00 EUR die Stunde bezahlen, dann kannst du einpacken!“ Meine Antwort: „Ich hätte niemals ein Unternehmen, in dem ich meinen Mitarbeitern 4,00 EUR die Stunde bezahle.“

Zum Einen ist das schlicht und einfach unmoralisch. Ich persönlich könnte das mit meinem Gewissen überhaupt nicht vereinbaren. Und zum Anderen: Wo bitte soll das denn hinführen? Es wird immer einen geben, der es noch günstiger macht, einen, der sich bereit erklärt, den anderen zu unterbieten. Irgendwo in der Stadt, irgendwo im Land, irgendwo auf der Welt, irgendwo anders eben. Wo jemand durch schlechtere Lebensumstände dazu gezwungen wird, einfach alles anzunehmen. Oder wo Gesetze zum Schutz des Menschen nicht so ausgeprägt sind und die Arbeitnehmer bis an und auch über ihre Grenzen getrieben werden.

Es gab mal eine Zeit, in der wurde Wertarbeit geschätzt. Vor allem die deutsche. Made in Germany als besonders wertvolles Prädikat, hab ich so in der Schule noch gehört. Und heute? Alles muss billiger, billiger, billiger. Und noch billiger. Wo es herkommt, ist doch egal! Alle sagen „Wir können ja nichts dafür, die Preise werden von den Lieferanten, den Verbrauchern, den Politikern diktiert!“ Es gibt natürlich eine Menge Menschen, die darauf angewiesen sind, dass es günstige Dinge des alltäglichen Bedarfs zu kaufen gibt. Aber woran liegt es wohl, dass es immer mehr werden?

Möchten wir diese Abwärtsspirale wirklich weiter vorantreiben?