Nackt unter Fremden

Seit einiger Zeit gehe ich ja nun ins Frauen-Fitness-Studio und neuerdings auch in den angrenzenden Wellness-Bereich mit Sauna, Dampfbad usw. Und ich kann irgendwie nicht anders, als dort vor allem die anderen Frauen zu beobachten. Es ist einfach zu faszinierend.

Der weibliche Körper tritt ja bekanntermaßen (bei einigen wohl eher verdrängtermaßen) in den verschiedensten Ausführungen zu Tage. Die wenigsten davon sind „schön“ in dem Sinne, der mir von Marketing-, Film- und Musik-Welt eingeflüstert wird. So sah eigentlich bisher nur die zierliche, junge, braun- und zarthäutige Ost-Asiatin aus, die ich gestern dort gesehen habe. Der Rest ist eine Variation aus verschiedensten Ausprägungen an blass, wabbelig, faltig, hängend, haarig und fleckig. Es ist schon frappierend, wie sehr die Marketing-Schablone „Frau“ sich in meinem Kopf festgesetzt hat. Für Weltbild und Realitätssinn ist es daher vermutlich sehr zuträglich, mich dort regelmäßig zu tummeln.

Die zweite interessante Sache ist das Verhalten. Manche Frauen sind dort sehr zurückhaltend, agieren still und höflich, bewegen sich ruhig, setzen sich regelrecht sittsam hin und wenn sie sich unterhalten, dann flüstern sie dabei fast. Dann gibt es die anderen… Sie latschen ausladend herum (ich werde jetzt nicht die Füße beschreiben, die in den fiesen Plastik-Latschen stecken), braaken durch die Gegend, reißen die Tür vom Dampfbad weit auf und lassen sich dann platschend wie ein nasser Sack auf die geflieste Sitzbank fallen. Bäuchlings! Und sie ächzen und stöhnen dabei, kratzen sich und reiben ihre Körperstellen ab. Das tun sie die ganze Zeit. Bei so viel fremdem Körpereinsatz kann ich mich einfach nicht entspannen.

Bei den Ladies, die im Bodystyling-Kurs oder auf dem Crosstrainer ungeniert furzen, will ich jetzt mal gar nicht weiter ins Detail gehen, aber eins sei euch versichert: Viele Frauen unter sich sind anders, als ihr vielleicht vermutet. Als ich vermutet habe. Und als mir lieb ist.