Nie wieder Denny Crane

Boston LegalDie letzte Folge der letzten Staffel einer Serie zu schauen, ist immer wieder ein ganz trauriges Ereignis. Wenn man so weit gekommen ist, dann sind einem die Menschen, die in den DVDs wohnen, doch ziemlich ans Herz gewachsen. Dabei habe ich mich am Anfang lange geweigert, Boston Legal zu schauen. Ich hatte nämlich gedacht, es handelt sich dabei um typisch amerikanisches, oberflächliches Herrenwitz-Geplänkel. Aber mal ehrlich, irgendwie so hatte man es mir auch beschrieben. Aber huch, das stimmt so gar nicht! (Achtung jetzt Spoiler)

Die Serie strotzt zwar nur so vor Sexismus und Running Gags, die auch meistens echt lustig sind. Aber zwischen den ganzen „Denny Crane!“s, dem Ploppen und Schnurren, Buzz Lightyear und der Schmidtchen-Gummipuppe, war es eigentlich etwas ganz anderes, das mich so eingenommen hat. Zum Beispiel die schier unendliche moralische Kampfkraft von Alan. Und die Freundschaft zwischen den beiden, die eigentlich bei näherer Betrachtung ihrer Persönlichkeiten völlig absurd ist. Auf jeden Fall war es auch die extrem beißende Kritik an Gesellschaft und Politik (selbst bei Amerikas heiligsten Themen) und das Niederschmettern der Interessen von bösen Großkonzernen, dass mich immer wieder innerlich jubilieren ließ. Auch die Tatsache, dass es in fast jeder Folge ein moralisches Grundproblem zu erörtern gab – ich hätte jedenfalls nicht gedacht, dass ich mal mit dem Mate beim Frühstück darüber diskutiere, ob man eine Frau, die Samenraub begangen hat, zur Abtreibung zwingen darf oder nicht.

Und last not least die erstaunlichste Komponente. Dass eine Serie so cool sein kann, in der so viele alte Menschen mitspielen, die an anderer Stelle des Medienkarussells längst rausgeflogen wären. Aber damit nicht genug. Ich habe nachgedacht und nachgedacht, es ist mir einfach keine populäre Sendung eingefallen, in der eine 60-Jährige Frau als absolutes Sex-Symbol gilt. Normalerweise hagelt es ja Ausrufe von Ekel und Unmut, wenn so eine Frau über Sex redet oder sich gar ausziehen will. Das ist revolutionär, das ist mutig und das ist auch sehr beruhigend. Wenn ich dann mal groß bin, will ich Shirley Schmidt sein!

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