Refugees welcome! – A. aus dem Sudan

Refugees welcome?

Refugees WelcomeDa saß er letzte Nacht in der Bahn, schaute abwechselnd auf den Boden und aus dem Fenster, keine Tasche, keine Jacke, in seiner Hand nur ein paar Zettel. Die Adresse der Zentralen Ausländerbehörde in Dortmund, ein Formular von der Polizei mit seinem Namen (A.) und seinem Herkunftsland (Sudan). Dazu ein Merkblatt auf Arabisch und einen ausgedruckten Zugfahrplan mit der Verbindung nach Dortmund. Allerdings kein Ticket und das war erst mal ein Problem. Der Schaffner schaute sich die Zettel an und tippte eifrig auf seinem Gerät herum, als sich ein anderer Fahrgast einmischte. Ob der Mann kein Ticket hätte, ob er ihn nicht auf seinem Ticket mitnehmen könnte. Nein.

A. konnte leider nur sehr schlecht Englisch. Die Polizei hat ihn wohl irgendwo aufgegriffen und in den Zug gesetzt. Ein weiterer Fahrgast konnte ein bisschen Arabisch, es wurde jemand angerufen, der besser Arabisch spricht, um die Situation klären zu können. Der Mate™ war dann der erste, der dem Schaffner sagte, dass wir das Ticket bezahlen. Anfangs war dieser eher unbeeindruckt, als wir dann aber zu sechst und mit Nachdruck auf ihn einredeten, ließ er sich darauf ein. Wir bezahlten zusammen mit den anderen Fahrgästen das Ticket für A., der sich sehr schüchtern bedankte und vermutlich gar nicht genau wusste, was überhaupt genau los war.

Wie leben wir eigentlich auf dieser Welt?

Ich bin froh, dass wir zumindest diese Situation klären konnten und dass alle Leute, die in der Nähe standen und saßen, es gut fanden, dass wir das Ticket bezahlt haben (auch wenn die meisten nichts dazugegeben haben). Immerhin hat keiner einen blöden feindlichen Spruch gebracht und darüber kann man ja momentan wirklich erleichtert sein. Allerdings tauchten Fragen auf. Warum schickt die Polizei A. in den Zug, ohne ihm ein Ticket zu besorgen? Warum kann er nicht auf dem Ticket eines anderen Fahrgastes mitfahren? Was hat A. wohl alles erlebt zwischen dem Sudan und dem Nacht-RE zwischen Duisburg und Dortmund? Was erwartet ihn heute noch, was in den nächsten Wochen und Monaten?

Das war ein kleines, aber beeindruckendes Erlebnis. Die ganzen Berichte und Kommentare hatten auf einmal ein Gesicht, ein sehr schüchternes und völlig hilfloses. Wenn ich mich daran erinnere, wie verunsichert und fremd ich mich in manchen Momenten in Thailand, Kuba oder in der Türkei gefühlt habe, kann ich nur am Rande erahnen, was das wohl für ein Gefühl sein muss, in diesem Zug zu sitzen, mit den ganzen Menschen um einen herum, die über einen reden und irgendetwas wollen, was man nicht versteht.

Als ich mir dann eine halbe Stunde später in meinem schönen Badezimmer mit meiner elektrischen Zahnbürste die Zähne geputzt und mich dann in mein kuscheliges Bett gelegt habe, wusste ich vor lauter Gefühl von „Auf-der-Welt-läuft-mächtig-was-schief“ überhaupt nicht, was ich denken soll.

Blogger für Flüchtlinge

Eben habe ich bei Twitter den Hashtag gesehen und auch, wenn das hier nur Buchstaben sind, möchte ich gerne mitmachen und dieses Erlebnis und vor allem meinen Standpunkt öffentlich äußern. Der braune Mob ist sehr laut momentan und wir müssen einfach lauter sein. Und auch darüber hinaus kann man viel tun. Geld spenden, Kleidung und andere Gebrauchsgegenstände spenden, in den Unterkünften helfen (in Essen zum Beispiel wird Hilfe beim Sortieren und verteilen der Spenden benötigt), bei Behördengängen helfen, im Wohnheim einen Internet-Zugang organisieren, wie es z.B. der Chef getan hat oder sogar jemanden aufnehmen. Das ist teilweise sehr viel, aber auch die kleinen Sachen zählen.

Laut sein gegen Hass und Intoleranz

Ganz einfach und doch ganz wichtig ist es, dass man sich gegen diese Leute stellt. Die nicht verstehen (wollen), wie dringend die Menschen, die zu uns kommen, Hilfe brauchen. Denen sämtliches Mitgefühl und Bewusstsein für den Wert eines Lebens und die Not, in die man geraten kann, fehlt. Die meinen, dass sie, weil sie zufällig hier geboren sind, das Recht haben, zu entscheiden, wer hier wohnen darf und wer nicht oder wer hier etwas bekommt und wer nicht. Und vor allem: Die nicht verstehen, wie „unser“ Lebensstil und „unsere“ Politik über hunderte von Jahren viele der Probleme in „deren“ Ländern verursacht hat.

Deswegen:

Refugees Welcome! Willkommen in Deutschland! Wir haben viel Geld, viel Platz und viele Sachen, die wir teilen können und wir möchten, dass ihr hier sicher seid!

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