Die junge Nore ist in ihrer Heimatstadt nicht nur für ihre extravaganten, selbst geschneiderten Outfits bekannt, sondern auch dafür, dass sie ständig Sex will und zwar mit so ziemlich jedem Mann, der ihr begenet. Dass dies auch schon in ihren jungen Teeniejahren der Fall war, ist auch kein Geheimnis. Sie war und ist halt die Ausnahme und betont selbst immer, dass sie halt gerne fickt und es überhaupt kein Problem gibt. Als die eher schüchterne Jonna sie eines Abends in ihrer Stammbar anspricht und ihr anbietet, bei ihr zu wohnen, entwickelt sich eine Freundschaft, die an Nores scheinbar unbeschwerter Oberfläche kratzt.
Rezension (enthält Spoiler)
Puh. Das war extrem verstörend. Wie schon vermutet, ist Nores extreme Promiskuität doch nicht so unproblematisch, sondern vielmehr ein Kompensationsmechanismus, der durch mehrere sehr traumatische Erlebnisse in ihrer Jugend ausgelöst wurde. Ohne dass der Film voyeuristisch wird, erfahren wir schonunglos Nores Geschichte. Die Geschichte eines offenen, warmherzigen Mädchens, das auf der Suche nach Liebe und Anerkennung ist und dabei immer wieder auf Männer trifft, die dies teils schonungslos, teils mit ambivalenten Gefühlen ausnutzen.
So nimmt sich der Film der unsäglichen Frage an, die immer und immer wieder im medialen Raum steht (und meiner Meinung nach klar beantwortet werden kann): Kann es überhaupt konsensualen Sex mit Minderjährigen geben?

„Wer würde denn jemandem weh tun wollen, den er liebt? “ – „Was hat man denn davon, jemandem wehzutun, der einem egal ist?“

„Willkommen in meiner Kindheit, ihr Fotzen!“

„Habe ich nicht das Recht, der Welt zu vertrauen? Habe ich nicht das Recht, dass man mir nicht wehtut?“
Nores Erkenntnisprozess und die zu überwindenden Abwehrmechanismen ihrer Psyche sind kreativ umgesetzt und wirklich herzzerbrechend. Dana Herfurth spielt dabei die ambivalente Figur, die immer wieder zwischen abgebrühter Derbheit und tieftrauriger Zerbrechlichkeit schwankt, mit großer Präsenz und in fast allen Szenen sehr überzeugend. Nach meinem Empfinden konnten Luna Jordan und die anderen dabei schauspielerisch nicht wirklich mithalten. Auch die Dialoge waren manchmal einfach großartig auf den Punkt, an anderen Stellen allerdings wieder hölzern und unnatürlich. Trotzdem fand ich den Film absolut sehenswert, allerdings teils wirklich schwer zu ertragen.

Smalltown Girl
| Regie | Hille Norden |
| Besetzung | Dana Herfurth, Luna Jordan, Vera Fay, Jakob Geßner |
| Produktionsland | Deutschland |
| Produktionsjahr | 2026 |
| Genre | Drama |
| Schauspiel | ⭐⭐⭐ |
| Inszenierung | ⭐⭐⭐⭐ |
| Anspruch | ⭐⭐⭐ |
| Sogwirkung | ⭐⭐⭐⭐ |





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