Test: Fitbit Ionic vs. AppleWatch

Eine neue Fitness-Uhr muss her!

Mit meiner AppleWatch war ich nach neun Monaten intensiver Nutzung sehr zufrieden. Sie hat mir tatsächlich die fehlende Motivation gegeben, mich täglich ausreichend zu bewegen, hat immer zu 99% funktioniert und sah schick aus. Sie hat nur ein Manko: Sie läuft nur in Verbindung mit einem iPhone. Mit meinem iPhone war ich nämlich in letzter Zeit gar nicht mehr zufrieden. Immer wieder sind in den letzten Monaten Probleme beim synchronisieren aufgetaucht, so dass ich keine Musik oder Hörbücher vom Rechner auf das iPhone übertragen konnte. Eine Funktion, die jeder Billig-USB-Stick seit 15 Jahren locker beherrscht. Dies hat mich immer wieder Stunden an Gefrickel und Recherche und vor allem Nerven gekostet. Und dann fing vor ein paar Wochen auch noch der Akku stark an zu schwächeln. Ein eineinhalb Jahre altes 900-Euro-Gerät, das mir zu verstehen gibt, ich solle doch ein neues 900-Euro-Gerät kaufen? Nö! Ich bin für’s Erste fertig mit Apple, habe das iPhone zum Wiederverkäufer geschickt und für den Erlös ein nagelneues Huawei P10 erworben. Dazu an anderer Stelle später mehr.

Warum eine Fitbit Ionic?

Fitbit Ionic
Die Fitbit Ionic in silber. Man hat sie auch schon als Protzwecker bezeichnet 😉

Ich musste mich also auf die Suche nach einem neuen Fitness-Tracker machen, der mir die gleichen Funktionen wie die AppleWatch bietet, mir einigermaßen gefällt und preislich im Rahmen liegt. Es gibt z.B. tolle Lauf-Uhren von Garmin, die aber mehr als 600 € kosten. Aber auch hier wollte ich nur ungefähr den Betrag investieren, den mir der Verkauf der AppleWatch noch einbringt. Außerdem sollten noch Smartwatch-Funktionen, wie z.B. Benachrichtigungen, verschiedene Zifferblätter usw. vorhanden sein.

Folgende Funktionen waren für mich essentiell:

  1. Schritte zählen
  2. Gesamte Tages-Aktivität erfassen (Minuten und/oder Kalorien)
  3. Stündliche Erinnerungen zum Aufstehen (denn seitdem ich dies nutze, habe ich keine Rückenprobleme mehr)
  4. Pulsmessung beim Sport
  5. Trainingsprogramme fürs Laufen (auch auf dem Laufband) und Radfahren inklusive GPS

Meine Wahl fiel dann auf die Fitbit Ionic, die zwar etwas größer und klobiger ist als die AppleWatch, aber ein für mich überzeugendes Gesamtpaket bringt. Außer den oben aufgelisteten Funktionen, hat sie noch folgendes auf Lager:

  • Benachrichtigungen,nach Wunsch für jede App (de)aktivierbar
  • Programme fürs Schwimmen, Gewichtheben, Intervalltraining und allgemeines Training
  • 24/7 Pulmessung
  • Zählen der erklommenen Treppen-Etagen
  • „Coach“ für Fitnessübungen
  • Wecker und Timer
  • Geführte Atem-Übung zum Entspannen
  • eine Wetter-App, die echt nett aussieht
  • einen App-Store, der allerdings (noch?) sehr mau bestückt ist
  • Wechsel-Armbänder
  • Musicplayer-Funktion über Bluetooth-Kopfhörer

Drei Wochen Dauereinsatz: Was ist besser als bei der AppleWatch, was ist schlechter?

Kaum Unterschiede bei den Funktionen

Bei den meisten Funktionen steht die Fitbit Ionic der AppleWatch in nichts nach. Sie hat ein helles, scharfes Display, die automatische Aktivierung beim Armheben funktioniert, die Verarbeitung wirkt ordenlich, sie trackt Bewegung, Puls und Schritte zuverlässig, sie ist wasserfest, sie überträgt Benachrichtigungen vom Smartphone, die dauerhafte Konnektivität mit dem Smartphone ist gut (selten hakt es mal für kurze Zeit bei der Synchronisierung) und sie motiviert mich genauso zum Aufstehen, Sport usw.

Plus: Akku

Der größte Pluspunkt der Fitbiot Ionic: Der Akku hält vier bis fünf Tage! So kann man z.B. tatsächlich mal seinen Schlaf tracken, weil sie eben nicht wie die AppleWatch, die das theoretisch auch kann, jede Nacht an die Steckdose muss. Beim Training mit GPS-Nutzung wird der Akku wohl schneller leer, ich komme aber trotzdem mit täglichem Training auf vier Tage Nutzung. Die Ladezeit finde ich auch relativ kurz. Ich habe sie nicht richtig gemessen, aber von 30% auf 100% dauert es ca. eine bis eineinhalb Stunden.

Plus: Die Fitbit-App

Fitbit App für AndroidDie Fitness- und die Health-App auf dem iPhone sind nett gemacht und das System mit den drei Ringen (Aktivitätskalorien, Trainingsminuten, Stehstunden) ist übersichtlich und einfach, aber die Fitbit-App ist viel liebevoller gestaltet – sowohl optisch, als auch inhaltlich. Die verschiedenen Fitnessziele lassen sich differenzierter festelegen, und wenn man möchte, kann man auch tracken, was man isst und trinkt. Die Meldungen sind viel persönlicher und damit auch motivierender, man fühlt sich teilweise regelrecht umsorgt 😉 Ein Beispiel: „Kerstin, du hast gestern kurz vor dem Schlafengehen noch trainiert. Hut ab! Allerdings kann spätes Training deinen Schlaf negativ beeinflussen. Du solltest darauf achten, ob dies bei dir der Fall ist.“ Ebenso kann man dort mit Freunden oder alleine verschiedene Challenges starten oder „Abenteuer“ erleben, bei denen man virtuell mit Panoramafotos Nationalparks durchwandert usw. Dies sind nette kleine Extras, die mir Spaß machen.

Plus oder Minus? Kein Mikrophon

Die AppleWatch hat ein Mikro, damit man über Siri Nachrichten diktieren, einen Timer einstellen oder jemanden anrufen kann. Den Timer habe ich tatsächlich beim Kochen öfter mal benutzt. Das mit dem Telefonieren hat immer eher schlecht als recht funktioniert und nach Blechdose geklungen. Jetzt, wo ich kein Mikro mehr habe, fehlt es mir allerdings auch nicht und es ist ein Gerät weniger vorhanden, das mich belauschen kann. Puuh. 😉

Minus: Benachrichtigungen

Das nervigste sind auf jeden Fall die Benachrichtigungen. Sie funktionieren zwar (wenn man einmal gefunden hat, wo man sie überall aktivieren muss), aber sie werden nicht synchronisiert. Sie sind also auf der Uhr noch vorhanden, wenn man auf dem Telefon die neue Nachricht, den Like oder was auch immer schon gelesen hat. Dies führt dazu, dass das Löschen von Benachrichtigungen auf der Fitbit Ionic zum Dauersport wird. Nicht besonders spaßig. Man kann sie natürlich auch einfach stehen lassen, aber das fühlt sich für mich so „unordentlich“ an 😉

Minus: GPS

Anfangs dachte ich sogar, das GPS auf der Ionic wäre nur bei wolkenlosem Himmel nutzbar, denn mehrfach hatte ich beim Laufen und Radfahren nur eine sehr unvollständige Karte. Vom Support habe ich aber den Hinweis bekommen, dass man vor dem Loslaufen bzw. -fahren warten soll, bis das GPS verbunden ist. Das kann schon mal eine Minute dauern, dann bleibt es aber tatsächlich während des gesamten Trainigs stabil. Hierüber musste ich mir bei der AppleWatch allerdings gar keine Gedanken machen.

Minus: Zubehör und Style

Nicht essentiell, aber auch nicht ganz zu verachten: Die AppleWatch ist einfach viel schicker und schlanker. Die Zifferblätter bieten zwar weniger Auswahl, aber sind deutlich professioneller gestaltet. Da die AppleWatch auch viel häufiger verkauft wird als die Ionic, ist der Zubehör-Markt ausgeprägter, so dass wir z.B. Armbänder in zehn Farben zu Hause haben, weil es diese sehr günstig und in enormer Vielfalt zu kaufen gibt. Diese modischen Spielchen gehören also leider der Vergangenheit an:
AppleWatch, Shirt und Nagellack

Fazit

Ich bin mit der Fitbit Ionic trotz der oben genannten Kritikpunkte insgesamt zufrieden und bereue den Tausch bisher nicht. Vor allem der deutlich stärkere Akku hat mich überzeugt. Die meisten Benachrichtigungen habe ich ausgeschaltet, so dass das mit dem Löschen auch nicht mehr so viel „Arbeit“ ist. Man muss ja auch nicht ALLES IMMER SOFORT sehen 😉

Übrigens: Nächsten Monat bringt Fitbit ein neues Modell heraus, die Fitbit Versa. Diese wird optisch schlanker und schicker sein, hat aber dafür wohl kein GPS an Bord. Die werde ich mir aber auch mal genauer angucken.