Yi Yi – A one and a two

Yi Yi ist ein taiwanesischer Klassiker aus dem Jahr 2000, der zur Zeit in der restaurierten 4K-Fassung wieder im Kino zu sehen ist. Das 3-Stunden-Drama erzählt aus dem konfliktbeladenen Leben der Familie Jian. Den Einstieg bildet dabei die Hochzeit von A-Di und seiner hochschwangeren jungen Braut (hochgezogene Augenbrauen inbegriffen), die von A-Dis Ex-Partnerin jäh unterbrochen wird. Die dadurch verursachte Aufregung löst bei A-Dis Mutter einen Schlaganfall aus, wodurch sie ins Koma fällt und fortan in der Wohnung von ihrer Tochter Min-Min gepflegt wird. Diese nun sehr beengte Wohnung (Großmutter, Min-Min, Mann NJ, Tochter Ting-Ting und Sohn Yang-Yang) bildet die Herzkammer des Films. In ihr und aus ihr heraus folgen wir den ganz individuellen Alltagsproblemen der einzelnen Familienmitglieder. Einen Zusammenhalt gibt es kaum, jeder lebt für sich in seiner eigenen Welt und Wirklichkeit und ist damit beschäftigt, die Konflikte im Büro, in der Schule oder in der eigenen Seele zu lösen.

Obwohl man vielleicht sagen könnte, dass der Film drei Stunden lang ziellos vor sich hin mäandert, wird es keinesfalls langweilig oder anstrengend. Die Figuren sind lebensnah gezeichnet und durchgehend mit den verschiedensten, teils außergewöhnlichen Problemen beschäftigt, was trotz der ruhigen, beobachtenden Erzählweise sogar einen gewissen Stress erzeugt. Die distanzierte Darstellung und das Fehlen einer eindeutigen Hauptfigur (wobei ich mich gedanklich am kleinen Yang-Yang eingehakt habe), machen eine Identifikation zwar schwierig, die einzelnen Themen erlauben durch ihre Zeitlosigkeit und Allgemeingültigkeit durchaus emotionale Anteilnahme.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die Date-Szene zwischen Ting-Ting und „Speckbauch“. Vergeblich versucht er ihr näherzubringen, wie bereichernd es sein kann, auch ernste Filme im Kino zu schauen und sagt dabei den wundervoll wahren Satz:

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