Um dieses Buch bin ich jetzt fast drei Jahre herumgeschlichen, denn ich hatte Angst, dass meine durch Über Menschen ohnehin schon arg strapazierte Bewunderung für Juli Zeh („Verständnis“ für Nazis? What the… ?!) nach der Lektüre vollständig am Boden liegt. Seitdem ich ihr im Oktober 2004 in Hamburg zum ersten Mal regelrecht verzaubert zugehört hatte, hat sie einen festen Platz in meinem Bücherregal – und zwar den größten. Aber ach… schon in Fragen zu Corpus Delicti wurde mein pflichtbewusster Gutmensch-Anteil bisweilen heftig getriggert. Darf man denn etwa so dafür plädieren, sich nicht an vernünftige Regeln halten zu müssen? Mittlerweile sehe ich das differenzierter und entspannter, in Teilen auch resignierter. Aber das nur zur kurzen Einordnung. Aus GründenTM passte Zwischen Welten jetzt jedenfalls geradezu perfekt.
Das Buch besteht aus einem E-Mail/WhatsApp-Wechsel zwischen Stefan, dem „woken“ Journalisten in Hamburg und Teresa, die in Brandenburg darum kämpft, den familiären Milchbauernhof weiterzuführen. Die beiden haben sich seit 20 Jahren nicht gesehen und versuchen nun, sich gegenseitig ihre diametralen Lebensrealitäten nahezubringen. Ja, das ist klischeehaft. Und ja, es enthält alle Themen, die man da so hineinvermutet: Gendern, Klimaaktivismus, EU-Subventionen, Rassismus, Wut auf „die da oben“, E-Autos, Bürokratiewahnsinn AfD-Wähler und Veggieschnitzel. Aber diese Klischees sind eben nicht nur das – ich selbst kenne Menschen beider „Seiten“ persönlich – und sie wurden von Juli Zeh und Simon Urban genutzt, um nach und nach immer mehr Zwischentöne und Grauzonen zu etablieren. Das kann man holzhammerhaft und flach finden – so ist es in einigen Rezensionen zu lesen – oder es als das sehen, was es meiner Meinung nach ist: Eine unterhaltsam gelungene Satire auf einen völlig überhitzten gesellschaftlichen Diskurs, die hoffentlich so manchen Leser an einigen Stellen hat zusammenzucken lassen, zum Beispiel hier:

„In deinen Augen gibt es ein richtiges Richtig und ein falsches Richtig, und du entscheidest, was richtig richtig oder falsch richtig oder sogar richtig falsch ist. Du triffst Entscheidungen nicht für dich, sondern für die Welt. So machen es Kolonialisten, Missionare und Feldherren […].“


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